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Kompaktlexikon der Biologie: Vogelzug

Vogelzug, durch ein Zusammenwirken endogener Faktoren mit äußeren Zeitgebern kommt es zu einem genetisch manifestierten Abwandern (Migration) vor saisonal ungeeigneten Lebensbedingungen im Winter in andere Gebiete. Die Entfernungen, die dabei zurückgelegt werden, können bis zu 9000 km in einer Zugrichtung betragen. Man unterscheidet die lange Strecken zurücklegenden Zugvögel, wie z.B. Schwalben (Hirundinidae), Grasmücken (Sylviidae), Fliegenschnäpper (Muscicapidae) von den nicht ziehenden Standvögeln, wie z.B. Spechte (Picidae), Baumläufer, Kleiber (Sittidae) und den nur Kurzstrecken zurücklegenden Strichvögeln, so z.B. Stieglitz (Fringillidae), Goldammer (Emberizidae). Jedoch können Angehörige derselben Population und sogar Nestgeschwister beispielsweise von Buchfink oder Kohlmeise durchaus ein unterschiedliches Zugverhalten zeigen. Die Orientierung erfolgt in Form einer Kompassorientierung anhand des Sonnenkompasses, des Sternenkompasses und der Magnetfeldlinien der Erde. Bei letzterer ist die Wahrnehmung lichtabhängig, wobei die energiereichen Fotonen mit Makromolekülen der Fotorezeptoren reagieren. Unabhängig davon spielen wahrscheinlich auch Magnetitpartikel, die bei Wirbeltieren im Bereich von Nase und Augen gehäuft vorkommen, eine Rolle.

Als Anpassung an die veränderten Klimabedingungen konnte in den letzten Jahren ein verspäteter Wegzug v.a. bei Kurzstreckenziehern beobachtet werden und eine Tendenz zum Überwintern bei bisher typischen Teilziehern, bei denen jeweils nur einzelne Populationen oder Teile davon abwandern. Hierzu zählen Rotkehlchen, Star (Sturnidae) oder Feldlerche (Alaudidae). ( vgl. Abb. )



Vogelzug: 1 Herbstwanderung des Weißstorchs (Ciconia ciconia). Störche, die in Frankreich und dem westlichen Deutschland nisten, wandern über Spanien, während diejenigen, die weiter im Osten nisten, das östliche Mittelmeer umfliegen. 2 Zugbahnen der Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) von der Arktis bis zur Antarktis. Bemerkenswert ist, dass in der Arktis Nordamerikas brütende Küstenseeschwalben auf ihrer Herbstreise in die Antarktis den Atlantik überqueren

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Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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