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Lexikon der Biologie: Tierschutz

Tierschutz, umfaßt alle Aktivitäten, deren Ziel ist, Leben und Wohlbefinden von Tieren zu schützen, sie vor Leiden, Angst und Schäden durch den Menschen zu bewahren und ihnen ein artgerechtes Leben zu bereiten und einen schmerzlosen Tod zu ermöglichen. Demgemäß beschäftigt sich Tierschutz mit allen Bereichen, in denen Tiere den Interessen des Menschen dienen. Hierzu gehören die Nutztierhaltung (Nutztiere, Nutztierethologie), der Bereich Tierversuche, die Gentechnologie, sofern sie gentechnische Manipulationen an Tieren betrifft, Tierhaltung in Privathaushalten sowie in zoologischen Gärten (Tiergartenbiologie) und im Zirkus (Dressur), die Jagd, die Verwendung von Tieren im Sport, die Kürschnerei sowie die Rettung verölter Seevögel nach Ölkatastrophen. Besondere Problembereiche des Tierschutzes sind nach wie vor die Nutztierhaltung (Landwirtschaft, Massentierhaltung) und der Bereich Tierversuche. Aber auch in der Haltung von Tieren, sei es als Heimtiere, im Fernsehen, Zirkus oder auch in zoologischen Gärten, werden ihnen oft noch Leiden und Schmerzen zugefügt und ihre Bedürfnisse z.B. in Bezug auf Lebensraum, Pflege, artgerechte Ernährung und Sozialkontakt vernachlässigt. Dies geschieht bei Haustieren oft aus Unwissenheit, Gedankenlosigkeit oder weil sie vermenschlicht werden. In der Hobbyzucht von Hunden, Katzen, Vögeln und anderen Tieren werden mitunter immer noch Zuchtziele (Tierzüchtung) angestrebt, die für die solchermaßen gezüchteten Tiere gesundheitliche Schäden und unter Umständen lebenslanges Leiden mit sich bringen (sog. Qualzucht). – Der gesetzliche Tierschutz in Deutschland wird im wesentlichen durch das Tierschutzgesetz geregelt, das für alle den Tierschutz betreffenden Bereiche gesetzliche Rahmenbestimmungen enthält, die durch Rechtsverordnungen konkret geregelt werden müssen. Für den Vollzug des Tierschutzes sind die Bundesländer verantwortlich, Vollzugs- und Kontrollorgane sind die staatlichen Veterinärbehörden. In der Neufassung des Gesetzes von 1986 wurde erstmals festgehalten, daß der Mensch das Wohlbefinden und Leben des Tieres als Mitgeschöpf zu schützen hat. Konkrete Verbote betreffen das Aussetzen und Zwangsernähren von Tieren, das Hetzen von Tieren auf andere Tiere, das Abverlangen unverhältnismäßiger Leistungen sowie das Töten von Wirbeltieren ohne vorherige Betäubung. Die Strafe bei Verstoß kann je nach Fall ein Bußgeld oder eine Freiheitsstrafe sein. 1990 wurde im BGB durch den §90a festgelegt, daß Tiere keine Sachen, sondern Lebewesen sind. Dennoch können z.B. Haustiere, die einen hohen Wert besitzen, auf Antrag und nach Interessenabwägung gepfändet werden und gentechnisch veränderte Tiere (gentechnisch veränderter Organismus, transgene Tiere) patentiert werden (Patentierung von Lebewesen). Auch läßt das Tierschutzgesetz zu, daß Tieren Schmerzen oder Schäden zugefügt werden, sofern ein vernünftiger Grund (der der Prüfung im Einzelfall vorbehalten ist) vorliegt. Die novellierte Fassung des Tierschutzgesetzes, die am 1.6.1998 in Kraft trat, wurde zum einen um konkrete Ge- und Verbote für Tierhalter ergänzt. Z.B. wird nun für eine Reihe von Aktivitäten mehr eine tierschutzrechtliche Erlaubnis gefordert, die Altersgrenze für Personen, die Wirbeltiere erwerben dürfen, wurde einheitlich auf 16 Jahre festgelegt, die Vorschriften über Eingriffe und Behandlungen an Tieren (z.B. das Kupieren von Schwänzen bei Hunden) wurden strenger gefaßt. Weiterhin gibt es schärfere Anforderungen bei der Einfuhr von Tieren oder tierischen Erzeugnissen aus Drittstaaten. Darüber hinaus wurde der Personenkreis, der im Umgang mit Tieren Sachkunde nachweisen muß, ausgedehnt. Im Bereich Tierversuche besteht nun in Deutschland ein grundsätzliches Verbot von Tierversuchen bei der Entwicklung von Kosmetika, eine Ausweitung der Beteiligung des Tierschutzbeauftragten, dessen Obhut nunmehr alle Wirbeltiere, die zu wissenschaftlichen Zwecken gehalten werden, unterstellt sind, eine Anzeigepflicht für Verfahren zur Herstellung und Aufbewahrung von Stoffen, Produkten oder Organismen, die belastend für die verwendeten Tiere sind, sowie u.a. die Verpflichtung zur Erhebung umfassender statistischer Daten über die Verwendung von Wirbeltieren nicht nur im Bereich der Tierversuche, sondern auch in anderen tierschutzrelevanten Bereichen von Wissenschaft, Lehre und biomedizinischer Produktion (Biomedizin), und außerdem gibt es neue Vorschriften zur Regelung von Ein- und Ausfuhr von Tieren und zur Durchführung freiwilliger Prüfungen von Stalleinrichtungen. Über diese Regelungen hinaus wurde seit 1997 EU-weit eine Reihe von Empfehlungen, Verordnungen und Durchführungsbestimmungen erlassen, so u.a. die Tierschutz-Transportverordnung, die Tierschutz-Schlachtverordnung, die Hennenhaltungsverordnung (Batteriehaltung) sowie eine Novellierung der Kälberhaltungsverordnung. Wirkung auf das Tierschutzgesetz hat die Einführung eines Gesetzes zur Bekämpfung gefährlicher Hunde (2000), durch das u.a. die Zucht gefährlicher Hunderassen und das Verbringen erbdefekter Tiere, einschließlich übersteigert aggressiver Hunde („Kampfhunde“), ins Inland verboten sind und ein Sachkundeausweis für alle Tierhalter verlangt wird. Eine Verbesserung bei der Legehennenhaltung ist durch die Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung im März 2002 erreicht worden, wonach die herkömmliche Käfighaltung nur noch übergangsweise erlaubt ist. Und mit einer Änderung des deutschen Grundgesetzes ist seit dem 1. August 2002 der Tierschutz als Staatsziel im deutschen Grundgesetz verankert. Erst hiermit genießt das tierische Individuum einen verfassungsrechtlichen Schutz. Bisher vorbehaltslos gewährleistete Grundrechte wie Religions- und Wissenschaftsfreiheit, mit denen der Tierschutz oft im Spannungsfeld stand, können im Konfliktfall nun nicht mehr ohne Berücksichtigung des Tierschutzes ausgeübt werden. – Der Tierschutz ist vor allem über die lokalen Tierschutzvereine organisiert, derer es in Deutschland inzwischen über 700 gibt. Diese fast ausschließlich ehrenamtlich gestützten Organisationen sind vereint in der Dachorganisation „Deutscher Tierschutzbund e.V.“. Sie sehen ihre Aufgabe zum einen in der direkten Hilfe für in Not geratene Tiere (z.B. ausgesetzte oder durch eine Ölpest geschädigte Tiere), aber auch in der Aufklärung über und Sensibilisierung der Bevölkerung für Tierquälerei und unangemessenen Umgang mit Tieren, sowie in der Einflußnahme auf und der Auseinandersetzung mit Politikern und Parteien, um auf politischer und Gesetzesebene eine stetige Verbesserung des Tierschutzes zu erreichen. – Nicht zu verwechseln sind die Motive und Ziele des Tierschutzes mit denen des Artenschutzes und Naturschutzes. Während sich der Tierschutz vorrangig für das Individuum und dessen Wohlbehalt aus ethischer Perspektive (Tierethik) interessiert, hat der Artenschutz (Artenschutzabkommen) den fortwährenden Erhalt einzelner Tierarten (und Pflanzenarten) und der Naturschutz die Funktion und Strukur von Lebensgemeinschaften und Ökosystemen zum Objekt. Biodiversität, Bioethik, kognitive Ethologie, Rote Liste, Speziesismus, Versuchstiere, wildlife management.

Lit.: Bekoff, M., Meany, C.A.(Hrsg.): Encyclopedia of animal rights and animal welfare. London 1998. Caspar, J.: Tierschutz im Recht der modernen Industriegesellschaft. Eine rechtliche Neukonstruktion auf philosophischer und historischer Grundlage. Baden-Baden 1999. Geschäftsbericht des Deutschen Tierschutzbundes e.V. für den Zeitraum 1997–1999. Bonn 1999. Kluge, H.G. (Hrsg.): Kommentar zum Tierschutzgesetz. Stuttgart 2002. Lorz, A., Metzger E.: Tierschutzgesetz. Kommentar. München 51999. Tierschutzbericht der Bundesregierung. Bonn 2003. Singer, P.: Praktische Ethik. Leipzig 1995. Warren, M.A.: Moral Status. Obligation to Persons and other living things. Oxford 1997.

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