Direkt zum Inhalt

Lexikon der Chemie: Antiklopfmittel

Antiklopfmittel, Klopfbremsen, den Vergaserkraftstoffen zur Erhöhung ihrer Klopffestigkeit (Klopfen) in geringen Mengen zugesetzte chem. Verbindungen. A. müssen in den Kraftstoffen gut löslich sein und etwa die gleiche Flüchtigkeit wie die Kraftstoffe besitzen. Die Klopffestigkeit eines Vergaserkraftstoffes wird durch die Octanzahl ausgedrückt. Während lineare Paraffine sehr leicht zum Klopfen neigen, sind Isoparaffine, Naphthene und Aromaten sehr klopffeste Benzinkomponenten.

Die wirksamsten A. sind metallorganische Verbindungen, vor allem Bleitetraethyl und Bleitetramethyl (s. u.), Methylcyclopentadienyl-mangantricarbonyl, Eisenpentacarbonyl, Nickelcarbonyl, aber auch N-haltige aromatische Verbindungen, z. B. Anilin und Xylidin.

Die Wirkung der metallhaltigen A. besteht darin, daß sie im Verbrennungsraum des Motors noch vor der Zündung des Kraftstoff-Luft-Gemisches thermisch zersetzt werden; die dabei anfallenden, fein verteilten Metalle bzw. Metallverbindungen verhindern durch Reaktionen mit den instabilen Zwischenprodukten der "kalten Verbrennung" die unkontrollierte Zündung des Kraftstoffes.

Bleitetraethyl, Abk. TEL (von engl. tetra ethyl lead), das in Europa und den USA kaum noch als A. verwendet wird, in vielen Ländern jedoch noch eingesetzt wird, verbrennt im Motor zu Kohlendioxid, Bleioxid und Wasser. Da sich das Bleioxid im Verbrennungsraum ablagern würde, wird TEL zusammen mit Ethylbromid oder Ethylenchlorid verwendet, die das Bleioxid in leichter verdampfendes Bleibromid oder Bleichlorid überführen.

Neben Kohlenmonoxid, polycyclischen Aromaten und nur teilweise verbrannten Kohlenwasserstoffen sind es vor allem diese giftigen Bleiverbindungen, die zu Umweltproblemen führen (zur Giftigkeit Blei). In Fahrzeugen mit einer katalytischen Nachverbrennung dürfen wegen der Katalysatorschädigung durch die Bleiverbindungen nur bleifreie Kraftstoffe verwendet werden. Um den mit dem Rückgang der Kraftstoffverbleiung verbundenen Octanzahlabfall zu kompensieren, werden sauerstoffhaltige Verbindungen, insbesondere Methyl-tert-butylether (MTBE) bis zu 10 %, dem Kraftstoff zugesetzt.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren
Dr. Andrea Acker, Leipzig
Prof. Dr. Heinrich Bremer, Berlin
Prof. Dr. Walter Dannecker, Hamburg
Prof. Dr. Hans-Günther Däßler, Freital
Dr. Claus-Stefan Dreier, Hamburg
Dr. Ulrich H. Engelhardt, Braunschweig
Dr. Andreas Fath, Heidelberg
Dr. Lutz-Karsten Finze, Großenhain-Weßnitz
Dr. Rudolf Friedemann, Halle
Dr. Sandra Grande, Heidelberg
Prof. Dr. Carola Griehl, Halle
Prof. Dr. Gerhard Gritzner, Linz
Prof. Dr. Helmut Hartung, Halle
Prof. Dr. Peter Hellmold, Halle
Prof. Dr. Günter Hoffmann, Eberswalde
Prof. Dr. Hans-Dieter Jakubke, Leipzig
Prof. Dr. Thomas M. Klapötke, München
Prof. Dr. Hans-Peter Kleber, Leipzig
Prof. Dr. Reinhard Kramolowsky, Hamburg
Dr. Wolf Eberhard Kraus, Dresden
Dr. Günter Kraus, Halle
Prof. Dr. Ulrich Liebscher, Dresden
Dr. Wolfgang Liebscher, Berlin
Dr. Frank Meyberg, Hamburg
Prof. Dr. Peter Nuhn, Halle
Dr. Hartmut Ploss, Hamburg
Dr. Dr. Manfred Pulst, Leipzig
Dr. Anna Schleitzer, Marktschwaben
Prof. Dr. Harald Schmidt, Linz
Dr. Helmut Schmiers, Freiberg
Prof. Dr. Klaus Schulze, Leipzig
Prof. Dr. Rüdiger Stolz, Jena
Prof. Dr. Rudolf Taube, Merseburg
Dr. Ralf Trapp, Wassenaar, NL
Dr. Martina Venschott, Hannover
Prof. Dr. Rainer Vulpius, Freiberg
Prof. Dr. Günther Wagner, Leipzig
Prof. Dr. Manfred Weißenfels, Dresden
Dr. Klaus-Peter Wendlandt, Merseburg
Prof. Dr. Otto Wienhaus, Tharandt

Fachkoordination:
Hans-Dieter Jakubke, Ruth Karcher

Redaktion:
Sabine Bartels, Ruth Karcher, Sonja Nagel


Partnerinhalte