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Lexikon der Chemie: Glycin

Glycin, Abk. Gly oder G, Glycocoll, 2-Aminoessigsäure, süß schmeckende (griech. glykys ›süß‹), achirale, proteinogene Aminosäure (Formel und Daten Aminosäuren), die insbesondere im Seidenfibroin (43 %) (Keratine), Kollagen (35 %) und seinem Abbauprodukt Gelatine (35 %) vorkommt. Die technische Gewinnung erfolgt durch Hydrolyse von Proteinen und durch Umsetzung von Chloressigsäure mit Ammoniak. G. entsteht im Stoffwechsel aus Serin durch Serin-Hydroxymethyltransferase sowie aus Ammoniak und Kohlendioxid durch Glycin-Synthetase. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Biosynthese der Porphyrine und Purine. G. fungiert als Neurotransmittersubstanz, die die Permeabilität postsynaptischer Membranen für Chlorid-Ionen erhöht. In der Medizin dient G. als Bestandteil von Infusionslösungen, als diätetischer Supplementstoff bei Magenübersäuerung, zur Wundheilung sowie zur Behandlung von Muskelerkrankungen und Leberschädigungen. In der Lebensmittelindustrie wird G. als Geschmacksstoff für süßsaure Lebensmittel verwendet. Eine Reihe von G.-Derivaten sind Ferroelektrika. Das G.-Derivat Glyphosine HOOC-CH2-N(CH2PO3H2)2 ist ein wichtiger Wachstumsregulator für Pflanzen. Glyphosat HOOC-CH2-NH-CH2PO3H2 ist ein Totalherbizid, das die Synthese aromatischer Aminosäuren hemmt und bei einer Vielzahl schwer bekämpfbarer Unkräuter angewendet wird.

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