Direkt zum Inhalt

Lexikon der Chemie: Löslichkeitsprodukt

Löslichkeitsprodukt, Löslichkeitskonstante, Abk. L, eine Beziehung, die aus der Anwendung des Massenwirkungsgesetzes auf das elektrolytische Dissoziationsgleichgewicht schwerlöslicher Salze folgt. Für ein binäres Salz AB lautet das Dissoziationsgleichgewicht AB

A+ + B- und das Massenwirkungsgesetz K = (aA+ · aB-)/aAB. Dabei bedeuten aA+, aB- und aAB die Aktivitäten der Ionen A+, B- und des undissoziierten Salzes AB. In gesättigter Lösung mit einem Bodenkörper an AB ist aAB konstant und kann mit K zu einer neuen Konstanten K · aAB = LAB vereinigt werden. Die resultierende Beziehung LAB = aA+ · aB- wird als L. bezeichnet. Die Löslichkeitskonstante LAB hat für jedes schwerlösliche Salz einen charakteristischen Wert, der temperaturabhängig ist (Tab.). Da a = f·c gilt (Aktivität), kann das L. auch mit Konzentrationen formuliert werden. Für sehr schwer lösliche Salze sind die Ionenkonzentrationen so gering, daß die Aktivitätskoeffizienten fA+ und fB- gegen eins gehen und L = cA+ · cB- gesetzt werden kann.

Löslichkeitsprodukt. Tab.: Löslichkeitskonstanten einiger schwerlöslicher Salze bei 293 K.

Salz L in mol2 l-2 Salz L in mol2 l-2
AgCl 1,10 . 10-10 CuS 1,34 . 10-11
AgBr 4,80 . 10-13 CdS 9,41 . 10-11
AgI 9,60 . 10-17 HgS 3,14 . 10-15
AgSCN 2,10 . 10-12 CaCO3 2,07 . 10-8
PbSO4 1,90 . 10-8 CaSO4 2,16 . 10-4
PbCrO4 9,54 . 10-14 BaSO4 1,06 . 10-10

Mit Hilfe des L. sind folgende Aussagen möglich:

1) Enthält eine gesättigte Lösung das schwerlösliche Salz AB, so ist cA+ = cB- ≈ cs wobei cs die Sättigungskonzentration des Salzes bezeichnet. Es folgt



2) Wird die Konzentration einer der beiden Ionensorten durch einen gleichionigen Zusatz vergrößert (z. B. Zusatz von KCl zu einer gesättigten AgCl-Lösung), dann wird LAB überschritten. Es scheidet sich so viel AB ab, bis das L. wieder erfüllt ist. Ein gleichioniger Zusatz verringert also die Löslichkeit des Stoffes AB. Deshalb wird in der Gravimetrie ein Überschuß des Fällungsmittels eingesetzt. 3) Der Zusatz von Fremdionen, (z. B. Zusatz von KNO3 zu AgCl) erhöht die Ionenstärke der Lösung und erniedrigt damit die Aktivitätskoeffizienten fA+ und fB- (Debye-Hückel-Theorie). Folglich müssen die Konzentrationen cA+ und cB- und damit die Löslichkeit steigen, damit L konstant bleibt (Salzeffekt). Dieser Effekt ist wesentlich schwächer als der gleichioniger Zusätze. Er tritt nur bei nicht allzu schwerlöslichen Salzen auf.

Für Salze, die in mehr als zwei Ionen dissoziieren, wie AnBmnAm+ + mBn- lautet das L. LAnBm = anA · aBm.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren
Dr. Andrea Acker, Leipzig
Prof. Dr. Heinrich Bremer, Berlin
Prof. Dr. Walter Dannecker, Hamburg
Prof. Dr. Hans-Günther Däßler, Freital
Dr. Claus-Stefan Dreier, Hamburg
Dr. Ulrich H. Engelhardt, Braunschweig
Dr. Andreas Fath, Heidelberg
Dr. Lutz-Karsten Finze, Großenhain-Weßnitz
Dr. Rudolf Friedemann, Halle
Dr. Sandra Grande, Heidelberg
Prof. Dr. Carola Griehl, Halle
Prof. Dr. Gerhard Gritzner, Linz
Prof. Dr. Helmut Hartung, Halle
Prof. Dr. Peter Hellmold, Halle
Prof. Dr. Günter Hoffmann, Eberswalde
Prof. Dr. Hans-Dieter Jakubke, Leipzig
Prof. Dr. Thomas M. Klapötke, München
Prof. Dr. Hans-Peter Kleber, Leipzig
Prof. Dr. Reinhard Kramolowsky, Hamburg
Dr. Wolf Eberhard Kraus, Dresden
Dr. Günter Kraus, Halle
Prof. Dr. Ulrich Liebscher, Dresden
Dr. Wolfgang Liebscher, Berlin
Dr. Frank Meyberg, Hamburg
Prof. Dr. Peter Nuhn, Halle
Dr. Hartmut Ploss, Hamburg
Dr. Dr. Manfred Pulst, Leipzig
Dr. Anna Schleitzer, Marktschwaben
Prof. Dr. Harald Schmidt, Linz
Dr. Helmut Schmiers, Freiberg
Prof. Dr. Klaus Schulze, Leipzig
Prof. Dr. Rüdiger Stolz, Jena
Prof. Dr. Rudolf Taube, Merseburg
Dr. Ralf Trapp, Wassenaar, NL
Dr. Martina Venschott, Hannover
Prof. Dr. Rainer Vulpius, Freiberg
Prof. Dr. Günther Wagner, Leipzig
Prof. Dr. Manfred Weißenfels, Dresden
Dr. Klaus-Peter Wendlandt, Merseburg
Prof. Dr. Otto Wienhaus, Tharandt

Fachkoordination:
Hans-Dieter Jakubke, Ruth Karcher

Redaktion:
Sabine Bartels, Ruth Karcher, Sonja Nagel


Partnerinhalte