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Lexikon der Chemie: Molybdän(IV)-sulfid

Molybdän(IV)-sulfid, Molybdändisulfid, MoS2, weiche, violettstichig bleigraue, graphitähnliche, hexagonale Blättchen; D. 4,80 g cm-3, F. 1185 °C. M. tritt auch in einer zweiten rhombischen Modifikation auf. Es ist diamagnetisch und hat Halbleitereigenschaften. Bei Luftausschluß ist M. bis etwa 1300 °C stabil. In Wasser und verd. Mineralsäuren ist es unlöslich. An der Luft erfolgt oberhalb etwa 315 °C Oxidation zu Molybdän(VI)-oxid MoO3. Mit Wasserstoff reagiert M. bei etwa 1100 °C zu Mo2S3 und Molybdän, vollständige Reduktion zum Metall erfolgt oberhalb 1500 °C. In der Natur kommt M. als Molybdänit (Molybdänglanz) vor. Die Gewinnung aus natürlichen Vorkommen erfolgt über mehrere Flotationsstufen mit bei relativ niedrigen Temperaturen durchgeführten Zwischenröstungen, gefolgt durch eine Behandlung mit Flußsäure bei etwa 600 °C, wobei unter Nutzung der hohen chem. Stabilität von M. dieses relativ rein anfällt. Synthetisch erhält man hexagonales M. aus den Elementen bei 1100 °C, wobei zur Gewinnung kristalliner Präparate längeres Tempern erforderlich ist. Rhombisches M. bildet sich bei Reaktion von MoO3 mit Schwefel in Natrium- oder Kaliumcarbonatschmelzen bei 900 °C; es geht beim längeren Erhitzen in die hexagonale Modifikation über. Da M. gut spaltbar, chemisch wie thermisch stabil ist und zugleich vor Korrosion schützt, wird es als vorzügliches Schmiermittel im Temperaturbereich von -185 bis etwa +450 °C verwendet. Im Gegensatz zu Graphit und anderen Schmiermitteln nimmt bei M. die Gleitwirkung mit steigender Belastung zu. M. wird auch als Katalysator eingesetzt.

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