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Lexikon der Chemie

Platinmetalle

Platinmetalle, meist gemeinschaftlich, vielfach gediegen vorkommende Edelmetalle der VIII. Nebengruppe des Periodensystems. Zu den P. zählen die der 4d-Reihe angehörenden Metalle Ruthenium Ru, Rhodium Rh und Palladium Pd, die mit Dichten um 12 als leichte P. bezeichnet werden, während die Metalle der 5d-Reihe Osmium Os, Iridium Ir und Platin Pt als schwere P. (Dichten um 22) zusammengefaßt werden. Der Weltvorrat der P. wird auf etwa 13000 t geschätzt. Dabei ist der Gehalt primärer Lagerstätten der P., vor allem sulfidischer Kupfer- und Nickelerze, die die P. als Sulfide enthalten, sehr gering. Sekundäre Lagerstätten der P., durch Verwitterungs- und Schwemmprozesse aus Primärlagerstätten hervorgegangen, enthalten die P. miteinander vergesellschaftet in gediegenem Zustand. Zur Gewinnung der P. werden Sulfide der P. führenden Nickel- oder Kupfererze einer komplexen Folge pyro- oder hydrometallurgischer Verfahrensschritte unterworfen, durch die schließlich – ebenso wie bei Einsatz gediegene P. enthaltender Erze – salzsaure Lösungen der P. erhalten werden. Aus diesen werden Ruthenium und Osmium durch oxidierende Destillation in Form der Tetraoxide MO4 abgetrennt und die anderen P. unter Nutzung der verschiedenen Beständigkeiten der einzelnen Oxidationsstufen sowie der unterschiedlichen Löslichkeiten der Komplexe in Form der Ammoniumhexachlorometallate (NH4)2[MCl6] (M = Pd, Pt) und (NH4)3[MCl6] (M = Ir, Rh) ausgeschieden. Die Tetraoxide des Rutheniums und Osmiums und die Hexachlorometallate werden schließlich reduktiv in die Metalle übergeführt.

Sämtliche P. sind chemisch relativ inerte Edelmetalle; Iridium als das chemisch beständigste P. wird selbst durch Königswasser nicht angegriffen, während Palladium als reaktionsfähigstes P. durch Salpetersäure gelöst wird. Sämtliche P. stellen gute Komplexbildner dar, ausgeprägte chem. Ähnlichkeiten sind für die im Periodensystem jeweils untereinander stehenden Elementpaare zu beobachten. Während Ruthenium und Osmium durch ihre ausgeprägte Tendenz zur Bildung der Tetraoxide MO4 und durch die Stabilität der Oxoanionen [MO4]n- gekennzeichnet sind, stellt die Bildung oktaedrischer bzw. planarer Komplexe der 3- bzw. 1wertigen Metalle das Charakteristikum von Rhodium und Iridium dar. Die Verwandtschaft der Chemie von Palladium und Platin äußert sich durch die Vielzahl der hier bekannten quadratisch-planaren Komplexe der 2wertigen Metalle.

  • Die Autoren
Dr. Andrea Acker, Leipzig
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Prof. Dr. Walter Dannecker, Hamburg
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Dr. Günter Kraus, Halle
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Fachkoordination:
Hans-Dieter Jakubke, Ruth Karcher

Redaktion:
Sabine Bartels, Ruth Karcher, Sonja Nagel


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