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Lexikon der Chemie: Schellack

Schellack, ein natürliches Harz tierischen Ursprungs, das keinen einheitlichen Stoff darstellt, sondern als Polyester verschiedener Alkohole mit Hydroxycarbonsäuren, z. B. Aleuritinsäure (Trihydroxypalmitinsäure), betrachtet werden kann. Außerdem enthält S. noch 4 bis 10 % Wachs sowie farbbildende Komponenten. Er ist in Alkohol gut löslich, dagegen in Ether, Benzin und Aromaten schwer löslich, in Wasser unlöslich.

Man gewinnt S. aus verschiedenen Bäumen in Indien, Thailand und anderen Ländern Ostasiens. Erzeugt wird S. durch den Saugstich des Weibchens der Lackschildlaus Tachardia lacca in die Zweige. Durch die Stiche setzen sich die Säfte der Bäume z. T. in Harz um, das als 3 bis 8 mm dicke Kruste ausgeschieden wird. Die Kruste, der Stocklack, wird abgekratzt und kommt zerkleinert als Körnerlack in den Handel. Da dieser S. durch den Farbstoff des Insekts rot gefärbt ist, wird er auch als Rubin- oder Granatlack bezeichnet. Durch Auswaschen mit Wasser und anschließendes Umschmelzen erhält man die helleren Schellacksorten. Sie kommen in Form dünner Platten oder Blättchen als Tafel- oder Blätterlack in den Handel. Der hellste und aus diesem Grunde wertvollste S. ist der Lemonschellack.

Zur Veredlung kann man S. selektiv mit organischen Lösungsmitteln extrahieren. Ferner läßt sich S. in schwachen Alkalien, z. B. Soda, lösen und anschließend bleichen.

S. ist wegen seiner Polierfähigkeit (Tischlerpolitur) ein wertvoller Ausgangsstoff bei der Herstellung von Spirituslacken. Er diente früher zur Schallplattenherstellung, zum Abdichten poröser irdener Gefäße und wird außerdem zu Siegellack, Elektroisolierlack, Spritzlack, Firnis, Kitt u. a., auch zu Preßmassen (zusammen mit Casein) verarbeitet. Durch Verseifen mit Borax entstehen wäßrige Boraxlösungen, die als Hutsteife, Poliermittel und Tuschzusatz dienen.

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