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Lexikon der Ernährung: Alkoholismus

Alkoholismus, Alkoholabhängigkeit, Alkoholkrankheit, E alcoholism. Der Begriff (chronischer) A. wurde 1852 von Huss geprägt, und bezeichnet körperliche Folgeschäden von übermäßigem Alkoholkonsum. Im allgemeinen Sprachgebrauch umfasst A. Alkoholmissbrauch (Alkoholabusus, schädlicher Gebrauch) einerseits, und Alkoholabhängigkeit (Synonym des alten Begriffs der „Trunksucht“) andererseits. Eine Expertenkommission der WHO hat 1977 vorgeschlagen, zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit zu differenzieren. Von A. sollte nur noch beim Vorliegen von Alkoholabhängigkeit gesprochen werden. Das National Council on Alcoholism and Drug Dependence und die American Society of Addictive Medicine verabschiedeten 1992 folgende Definition für A.: „Alkoholismus ist eine primäre, chronische Krankheit, deren Entstehung und Manifestation durch genetische, psychosoziale und umfeldbedingte Faktoren beeinflusst wird. Sie schreitet häufig fort und kann tödlich enden. A. wird durch eine Reihe von dauernd oder zeitweilig auftretenden Kennzeichen charakterisiert: durch Verschlechterung des Kontrollvermögens beim Trinken und durch die vermehrte gedankliche Beschäftigung mit Alkohol, der trotz besseren Wissens um seine schädlichen Folgen getrunken und dessen Konsum häufig verleugnet wird“ (Kontrollverlust). Die Diagnose A. erfolgt im Rahmen verschiedener Richtlinien (ICD 10, DSM-IV) bzw. Tests. In der Bundesrepublik ist A. als Krankheit seit 1968 anerkannt. Ebenso definiert die American Society of Addictive Medicine (ASAM, 1990) den A. als Krankheit.
Die Entstehung der Alkoholabhängigkeit ist ein hochkomplexer, multifaktorieller Prozess, bei dem die drei Faktoren Individuum (physiologische und psychologische Faktoren), soziales Umfeld und Drogen eine interaktive Rolle spielen, was bei Suchtberatungsprogrammen berücksichtigt werden muss. Eine genetische Prädisposition wird heute für die Entstehung des A. als sicher angenommen. Zur Klinik der Abhängigkeitskrankheit zählen im Wesentlichen die nicht-medizinischen Folgeschäden wie Selbstmordgefährdung, Schädigung der Familie, Schädigung der beruflichen Situation, Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit, Kriminalität sowie das Alkoholentzugssyndrom.
Bei der Behandlung des A. werden Kontaktphase, Entgiftungsphase, Entwöhnungsphase sowie Weiterbehandlungs- bzw. Nachsorgephase unterschieden.
Bei Alkoholikern wird der Energiebedarf zu einem hohen Anteil durch alkoholische Getränke gedeckt, so liefern z. B. 2 l Wein (ca. 160 g Alkohol – ca. 1.450 kcal) 70 % des durchschnittlichen täglichen Energiebedarfs eines Mannes. Dadurch kommt es zur Unterversorgung an Proteinen, Eisen, Calcium und Kalium. Weiterhin weisen 30–50 % aller Alkoholiker ohne und 80–100 % der Alkoholiker mit nachweisbaren Leberschäden Anzeichen für einen Vitamin-B6-Mangel auf. Ebenso kommt bei Alkoholikern häufig ein Mangel an Thiamin, Folsäure und fettlöslichen Vitaminen (insbesondere Vitamin A) vor. Bei Patienten mit alkoholinduzierten Lebererkrankungen (Alkoholfolgekrankheiten) findet sich sehr häufig ein Zink- sowie Mangnesiummangel. Ein zeit- und zustandsabhängiger Marker (E state-marker) für Alkoholismus ist die Konzentration des Blutalkohols.
Für Deutschland wurde für 1996 die Gesamtzahl der behandlungsbedürftigen alkoholkranken Personen auf etwa 2,5 Mio. geschätzt (mit etwa gleichbleibender Tendenz), wobei die tatsächliche Zahl höher liegen müsste. Der durchschnittliche Beginn des A. liegt im Alter von 30 Jahren.

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