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Lexikon der Ernährung: Antibiotika

Antibiotika, E antibiotics, Stoffwechselprodukte bestimmter Mikroorganismen, die die Vermehrung anderer mikrobieller Krankheitserreger – hauptsächlich Bakterien, aber auch Schimmelpilze und Hefen – unterdrücken (bakterio- / fungistatische Wirkung) oder die Erreger abtöten (bakteri- / fungizide Wirkung). Einige A. werden als Cytostatika in der Krebstherapie eingesetzt (Bleomycine), andere sind stark toxische Substanzen, die beim Verderb von Lebensmitteln auftreten (z. B. Bongkreksäure). Im weiteren Sinne werden auch sekundäre Pflanzenstoffe höherer Pflanzen mit antibiotischer Wirkung zu den A. gerechnet (Allicin, Isothiocyanate, Phenoläuren, Quercetin).
Breitspektrum-Antibiotika (z. B. Tetracycline) können die Darmflora schädigen, was zur Besiedlung mit pathogenen Keimen und Beeinträchtigung der intestinalen Vitamin-Synthese führen kann. Letztere ist wohl lediglich für Vitamin K und Biotin von (geringer) Bedeutung.
Einsatz in der Masttierhaltung: In der Nutztierhaltung dienen A. als Futterzusatzstoff zur Wachstumssteigerung. Zugelassene Verbindungen sind u. a. Monensin-Natrium, Zink-Bacitracin (Bacitracin). Sie bewirken im Darm der Tiere eine Verschiebung der quantitativen Verteilung der Darmflora, wodurch sich bestimmte biochemische Stoffwechselbilanzen verändern, so dass Futterkomponenten und bakterielle Stoffwechselprodukte vermehrt dem tierischen Organismus zur Verfügung stehen. Die Futterverwertung verbessert sich. Da die Anwendung von A. zur Resistenzentwicklung bei Mikroorganismen führen kann, sollten keine A. eingesetzt werden, die in der Humanmedizin Anwendung finden (Antibiotikaresistenz). Dem Glycopeptid-A. Avoparcin wurde in Deutschland 1996 die Zulassung als Futterzusatz entzogen, da Hinweise auf eine durch Avoparcin induzierte Resistenz von Erregern gegen das wichtige, in der Humanmedizin eingesetzte A. Vancomycin vorlagen.
Lebensmitteltechnologische Anwendung: Aufgrund ihrer Wirkung auf Mikroorganismen können A. als Konservierungsstoffe für Lebensmittel eingesetzt werden. Wegen der Gefahr der Ausbildung von Resistenzen wird die Verwendung von therapeutisch benutzten A. im Lebensmittelbereich grundsätzlich abgelehnt. Ausnahmen sind das antibakteriell wirkende Nisin (wird in der Humanmedizin nicht eingesetzt) und das fungistatisch wirkende Natamycin, welches enteral nicht resorbiert wird. Beide A. gelten als toxikologisch unbedenklich und sind daher innerhalb der EU für bestimmte Zwecke zugelassen.
Therapeutisch werden A. auch als Cytostatica eingesetzt.

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