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Lexikon der Ernährung: Echinococcus multilocularis

Echinococcus multilocularis, (kleiner) Fuchsbandwurm, Erreger der alveolären Echinococcose. E. m. ist ein 1,2–2,7 mm langer Bandwurm (Cestode), hat vier bis fünf Proglottiden und parasitiert vorwiegend im Darm des Fuchses (Rot- und Polarfuchs), des Schlittenhunds im Norden des amerikanischen Kontinents bzw. weiter südlich des Koyoten, in Mitteleuropa selten auch von Hund und Katze (Endwirte). Natürliche Zwischenwirte sind vor allem Feld- und Schermaus sowie Bisamratten, seltener Gelbhals-, Rötel- und Hausmaus sowie als Fehlzwischenwirte der Mensch, Hund, Katze, Rind und Schwein. E. m. ist mit Ausnahme Skandinaviens in der gesamten nördlichen Hemisphäre verbreitet. In Mitteleuropa kommt er in Endemiegebieten vor, die Teile von Deutschland (Schwäbische Alb), der Nordschweiz, Südfrankreich und Österreich umfassen. In Deutschland konnte E. m. darüber hinaus in Fuchspopulationen von Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg nachgewiesen werden. Gegenwärtig breitet sich E. m. weiter nach Norden aus.
Die Endwirte nehmen mit Bandwurmlarven infizierte Zwischenwirte auf. Die im Dünndarm freigesetzten Kopfanlagen setzen sich an der Schleimhaut fest und entwickeln sich innerhalb von sechs Wochen zu geschlechtsreifen Bandwürmern, wobei bis zu durchschnittlich 200.000 Bandwürmer pro Endwirt Fuchs und Hund auftreten können. Die mit dem Kot ausgeschiedenen Endglieder, die außerhalb des Darmes zerfallen, enthalten z. B. beim Rotfuchs bis zu 300 Eier, die äußerst widerstandsfähig sind und bis zu mehreren Monaten ihre Infektiosität behalten. Nach Aufnahme durch Zwischenwirte, auch Fehlzwischenwirte, entwickeln sich im Darm aus den Eiern Larven, die auf dem Blutweg in > 90 % aller Fälle in die Leber und gelegentlich in weitere Organe (Lunge, Gehirn, Herz, Milz, Niere) gelangen. Dort bilden sie Dauerformen, die so genannten Finnen, kleinblasige, tumorartig infiltrativ wachsende metastasierende Geschwülste, die die Leber und andere eventuell befallene Organe zerstören. In den Finnen entwickeln sich aus dem Keimgewebe zahlreiche Kopfanlagen, z. B. bei der Maus sind das bis zu 90.000 Stück. Bei Aufnahme eines Beutetieres durch einen Endwirt wird der Kreislauf geschlossen und aus jeder Kopfanlage kann ein Bandwurm entstehen.
Aus der Gattung Echinococcus ist in Europa noch Echinococcus granulosus von Bedeutung.

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