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Lexikon der Ernährung: Hyperlipoproteinämiediäten

Hyperlipoproteinämiediäten, E special diets for hyperlipoproteinemia, Ernährungsempfehlungen für verschiedene Formen der Hyperlipoproteinämie. Unterschieden werden Diäten bei Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie und gemischten Hyperlipoproteinämien (Dysbetalipoproteinämie; Dyslipoproteinämie). Die Manifestation der meisten Fettstoffwechselstörungen bzw. Hyperlipoproteinämien ist sowohl auf genetische Prädisposition als auch auf Umweltfaktoren wie Ernährungsverhalten zurückzuführen. Die Art der Behandlung einer Hyperlipoproteinämie hängt von Typ und Schweregrad sowie vom Gesamtrisiko des Patienten ab. Bei allen Formen sind zunächst nichtmedikamentöse, insbesondere ernährungstherapeutische Maßnahmen indiziert. Eine medikamentöse Therapie sollte in der Regel erst begonnen werden, wenn die jeweiligen Zielwerte trotz konsequenter Befolgung der ernährungstherapeutischen Maßnahmen nach 3–6 Monaten nicht erreicht werden konnten. Bei sehr hohen Ausgangswerten bzw. sehr hohem Gesamtrisiko ist eine medikamentöse Therapie häufig nicht zu umgehen.
Basis der Diättherapie für alle Hyperlipoproteinämien ist eine fettreduzierte und fettmodifizierte Kost, die reichlich komplexe Kohlenhydrate liefert. Bei Übergewichtigen steht die Gewichtsreduktion im Vordergrund, da Übergewicht die häufigste Ursache erhöhter Serumtriglyceride ist und häufig mit erniedrigten Werten von HDL-Cholesterin und erhöhten Werten von LDL-Cholesterin assoziiert ist. Die Energiezufuhr kann z. B. um 1000 kcal / d bezogen auf den Gesamtenergiebedarf vermindert werden, was einen Gewichtsverlust von etwa 1 kg / Woche (1 kg Körperfett speichert ca. 7000 kcal) zur Folge hat.
Bei Hypercholesterinämie ist die zentrale Ernährungsempfehlung zur Cholesterinspiegelsenkung die Verminderung der Gesamtfettzufuhr auf max. 30 Energie-%. Dies sollte vorwiegend durch die Reduktion der Aufnahme gesättigter Fettsäuren, also im Wesentlichen tierischer Fette, auf max. 10 % der Energiezufuhr erfolgen, da vermutlich einerseits die endogene Cholesterinsynthese bei Aufnahme von Nahrungsfett steigt und andererseits die LDL-Rezeptoraktivität vermindert wird. Eine reduzierte LDL-Rezeptoraktivität führt zur Erhöhung der LDL-Konzentration im Blut. Der Anteil ungesättigter Fettsäuren sollte 7–10 % der Energiezufuhr nicht übersteigen, während der Anteil der Monoensäuren mind. 10 % der Energieaufnahme betragen sollte. Monoensäuren erhöhen wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren die LDL-Rezeptoraktivität, senken die HDL-Cholesterinkonzentration im Serum im Gegensatz zu Polyensäuren (bei Aufnahme von mehr als 12 Energie-%) jedoch nicht.
Weiterhin wird empfohlen, die Zufuhr von komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen zu steigern, um dadurch zum einen die Aufnahme von Fett und niedermolekularen Kohlenhydraten zu reduzieren und darüber hinaus gegebenenfalls die direkte cholesterinsenkende Wirkung der wasserlöslichen Ballaststoffe zu nutzen. Schließlich wird empfohlen, nicht mehr als 300 mg Cholesterin / d aufzunehmen. Grundsätzlich hat das zugeführte Nahrungscholesterin eher eine geringe Wirkung auf die Serumcholesterinkonzentration, jedoch sind große interindividuelle Unterschiede beschrieben.
Bei Hypertriglyceridämie gelten ebenfalls die oben beschriebenen Grundsätze. Zusätzlich wird der Verzehr von ω-3-Fettsäuren empfohlen, da diese die hepatischen VLDL-Triglyceridsynthese, und damit die Serumtriglyceridkonzentration bei Hypertriglyceridämie senken. Da eine Erhöhung der hepatische VLDL-Synthese auch auf Kohlenhydrate, v. a. Mono- und Disaccharide zurückzuführen ist, sollten niedermolekulare Kohlenhydrate vermieden werden. Dies gilt auch für die Aufnahme von Alkohol, da dieser bei empfindlichen Personen ebenfalls zu einem Anstieg der Serumtriglyceride führen kann. Erhöhte Triglyceridspiegel sind häufig Folge von Übergewicht, Alkoholabusus und Diabetes mellitus. Eine erfolgreiche Behandlung dieser Ursachen führt oft zur Normalisierung der Serumtriglyceride.
Beim Chylomikronämie-Syndrom, einer seltenen Form der Triglyceridämie, muss die Fettzufuhr drastisch eingeschränkt werden, anfangs auf 10 % der Nahrungsenergie später 15–25 %. Als Streichfett und zur Speisenzubereitung sollten MCT-Fette verwendet werden, die ohne Chylomikronenbildung im Blut transportiert werden.
Bei kombinierter Hyperlipoproteinämie richten sich die therapeutischen Maßnahmen nach dem Serumlipidprofil, mit gegebenenfalls unterschiedlichem therapeutischem Schwerpunkt. Grundsätzlich gelten auch hier die Grundsätze der lipidsenkenden Kost. Bei gleichzeitigem Auftreten von erhöhten Triglyceridwerten, in Kombination mit niedrigem HDL- und erhöhtem LDL-Cholesterin, lassen sich vielfach günstige Veränderungen mit monoensäurebetonter Kost erzielen.
Generelle Empfehlungen: Aus den beschriebenen Grundsätzen lassen sich folgende Lebensmittelempfehlungen ableiten: Die Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel gegenüber tierischen Lebensmitteln führt bei fettarmer Zubereitung zu einer geringeren Fettaufnahme mit günstigerer Fettsäurezusammensetzung und weniger Cholesterin. Entsprechend der Zusammensetzung pflanzlicher Lebensmittel liefern diese reichlich Kohlenhydrate und – bei Verwendung von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und frischem Gemüse und Obst – ausreichend Ballaststoffe. Die niedrige Energiedichte bei hohem Sättigungswert begünstigt eine Gewichtsabnahme. Insbesondere bei Hypertriglyceridämie wird zur Aufnahme von ω-3-Fettsäuren der regelmäßige Verzehr von Meeresfischen (Makrele, Hering, Tunfisch oder Lachs) empfohlen.

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