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Lexikon der Ernährung: Kinderernährung

Kinderernährung, E child nutrition, Ernährung während der Kindheit (ab Beginn des 2. Lebensjahres). Dabei wird die Kindheit in verschiedene Stadien eingeteilt und entsprechend z. B. zwischen Kleinkindern (Beginn des 2. bis Ende 3. Lebensjahr), Vorschulkindern (Beginn 4. bis Ende 6. Lj.), Grundschulkindern (Beginn 7. bis Ende 10. Lj.), Schulkindern (Beginn 11. bis Ende 14./15.Lj.) und Jugendlichen (Beginn 15./16. bis Ende 18. Lj.) unterschieden. Die Einteilung wird jedoch nicht einheitlich so vorgenommen.
Das wichtigste Merkmal der K. gegenüber der Ernährung Erwachsener ist der hohe Bedarf an Energie und Nährstoffen bezogen auf das Körpergewicht (Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr). Dies ist wesentlich auf Wachstum (Längen- und Massenwachstum) und Entwicklung der Kinder zurückzuführen (Abb.). Bereits gegen Ende des ersten Lebensjahres haben sich das Körpergewicht gegenüber dem Geburtsgewicht etwa verdreifacht und die Körperlänge verdoppelt.
Die Verdauungsfunktionen sind beim Kind verglichen mit dem Erwachsenen noch nicht voll ausgereift. Eine wesentliche Reifung des Verdauungsapparates erfolgt nach der Geburt und befähigt den Säugling, nach wenigen Lebensmonaten gemischte Kost (Beikost) zu verwerten. Die volle Funktionsfähigkeit wird jedoch erst gegen Ende des Schulalters erreicht. Sehr fettreiche und schwerverdauliche Speisen sind für Kinder daher nicht geeignet.
Die Konzentrierungsfähigkeit der Nieren ist bei Kindern ebenfalls geringer als beim Erwachsenen und der tägliche Wasserbedarf pro kg Körpergewicht entsprechend höher (bei Kleinkindern 95 ml / kg gegenüber 35 ml / kg bei Erwachsenen). Ein Mangel an Flüssigkeit ist v. a. für Kleinkinder daher deutlich gefährlicher als für Erwachsene.
Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist der geringere Glycogenspeicher der Kinder. Nach 1–2 Stunden körperlicher Aktivität können die Glycogendepots bereits verbraucht sein. Kinder sind daher in höherem Maße als Erwachsene auf eine regelmäßige Nahrungszufuhr angewiesen.
In den Industrieländern liegt der Schwerpunkt der K. auf der Prävention von Zivilisationserkrankungen. Schon ab dem Lebensalter von 2 Jahren weisen Kinder und Jugendliche in Deutschland ähnliche Ernährungsgewohnheiten wie die Erwachsenen auf. Sie essen zuviel Fett (v. a. gesättigte Fettsäuren), Protein und Zucker und zuwenig Kohlenhydrate, bes. Polysaccharide und Ballaststoffe. Kritische Nährstoffe sind Calcium (alle Altersgruppen), Eisen (Kleinkinder und weibl. Jugendliche), Jod und Folsäure (alle Altersgruppen), bei den B-Vitaminen ist die Zufuhr grenzwertig. Zur Deckung des Nährstoffbedarfs und Krankheitsprävention hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (Dortmund) deshalb die Optimierte Mischkost entwickelt.
In Entwicklungsländern stellen Kinder aufgrund ihres hohen Energie- und Nährstoffbedarfs eine physiologische Risikogruppe für Mangelernährung dar. Die häufigsten Formen der Mangelernährung sind Protein-Energie-Mangelernährung, Anämien, Vitamin-A- und Jodmangel. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation reichen von direkten Interventionsmaßnahmen wie Lebensmittelhilfe und Supplementierung bis zu langfristigen Projekten zur Beseitigung der grundlegenden Ursachen der Mangelernährung (s. a. Nahrungssicherheit).

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