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Lexikon der Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Nährstoffreferenzwerte, umgangssprachl. auch Zufuhrempfehlungen, E dietary reference intakes, DRIs, aktualisierte und erweiterte Form der klassischen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr (DGE) bzw. der US-amerikanischen Recommended Dietary Allowances. R. sind bestimmt zur Ermittlung des Versorgungszustandes der stoffwechselgesunden Bevölkerung, unterteilt nach Alter, Geschlecht und besonderen physiologischen Situationen (Schwangerschaft, Stillzeit, körperliche Schwerarbeit), zur Planung einer bedarfsdeckenden Ernährung (Ernährungspolitik; Erstellung von Speiseplänen), für die Ernährungsinformation und für die Lebensmittelkennzeichnung. Zur exakten Bestimmung des Ernährungsstatus einer Einzelperson reichen R. nicht aus.
D-A-CH-Referenzwerte: Fortschreibung der Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der DGE auf internationaler Basis (Deutschland, Schweiz, Österreich). Die im Jahr 2000 in erster Auflage erschienenen D-A-CH-R. beinhalten die tabellarische Angabe von Daten und erläuternden Text zu den jeweiligen (Nähr)stoffgruppen. Bei den Daten handelt es sich um:
Empfehlungen: wissenschaftlich gesichert (Protein, ω-6-Fettsäuren, die meisten Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente),
Schätzwerte: experimentell ermittelt aber noch nicht wissenschaftlich exakt abgesichert (ω-3-Fettsäuren, einige Spurenelemente, β-Carotin, Biotin, Natrium, Chlorid, Kalium),
Richtwerte: Orientierungshilfe (unterer Grenzwert für Wasser, Fluorid, Ballaststoffe, oberer für Fett, Cholesterin, Alkohol, Speisesalz).
Die Daten für Nährstoffe und andere gesundheitsrelevante Lebensmittelinhaltsstoffe sind so berechnet, dass sie den Bedarf nahezu aller Personen (97–98 %) einer Gruppe decken; die Empfehlungen für die Energiezufuhr basieren auf dem Durchschnittsbedarf, d. h. der Bedarf ist für 50 % der jeweiligen Gruppe gedeckt, für die restlichen 50 % nicht. Grundlagen: körperliche Aktivität.
Dietary Reference Intakes: Von den USA und Kanada gemeinsam erarbeitete R., die mittelfristig die US-amerikanischen RDAs und die kanadischen RNIs (Recommended Nutrient / Dietary Intakes, RDI) ersetzen. Das umfangreiche Werk ist in 7 Gruppen unterteilt, die jeweils als eigenständiger Band veröffentlicht werden (DRI-Report 1–7; der 1. Band erschien 1997):
1) Calcium, Phosphor, Magnesium, Vitamin D, Fluorid (Knochenstoffwechsel)
2) B-Vitamine, Cholin
3)Vitamine C und E, Selen, Carotinoide (Antioxidanzien)
4) Vitamine A und K, Spurenelemente
5–7) Protein, Fett, Ballaststoffe, Elektrolyte u. a. (stehen noch aus – Stand: Januar 2002).
Ebenso wie bei den D-A-CH-R. beziehen sich alle Daten auf gesunde Personen, gegliedert nach Geschlecht und Alter sowie Schwangere und Stillende. Die Berechnungsgrundlage ist jedoch erheblich differenzierter. Für jede Substanz werden mehrere Werte angegeben (Tab.).
Unterschiede zwischen den D-A-CH-R. und den DRIs ergeben sich insbesondere bei der Lebensmittelkennzeichnung. In den USA und Kanada basieren die Bezugswerte auf der EAR, in den deutschsprachigen Ländern mit Ausnahme des Energiewerts auf der RDA.
Zu weiteren Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr Zufuhrempfehlungen; Ernährungsempfehlungen.

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Tab. Parameter der Dietary Reference Intakes (DRI).

Estimated average requirement (EAR)

Zufuhrmenge, bei der die Hälfte der jeweiligen Gruppe ausreichend versorgt ist. Der EAR ist bestimmt für die Beurteilung des Versorgungszustandes von Bevölkerungsgruppen.

Recommended Dietary Allowance (RDA)

Zufuhrmenge, bei der nahezu alle (97–98 %) Personen der jeweiligen Gruppe ausreichend versorgt sind. Der RDA wird für die Beurteilung des Versorgungszustandes von Einzelpersonen herangezogen.

Adequate Intake (AI)

Entspricht dem Schätzwert der D-A-CH-R. Der AI ersetzt den RDA, wenn Letzterer nicht zur Verfügung steht.

Tolerable Upper Intake Level (UL):

Höchstwert, der nicht überschritten werden sollte, abgeleitet von NOAEL mit Sicherheitszuschlägen.

No Observed Adverse Effect Level (NOAEL)

Höchstwert, bei dem in experimentellen Untersuchungen noch keine unerwünschten Wirkungen beobachtet werden.


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