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Lexikon der Ernährung: Senioren-Ernährung

Senioren-Ernährung, Altersernährung, E nutrition of the elderly, Ernährung, die den aufgrund des Alterns veränderten Energie- und Nährstoffbedarf berücksichtigt. Aufgrund des inter- und intraindividuell unterschiedlichen Verlaufs des Alterungsprozesses ist die Gruppe der älteren Menschen sehr heterogen – entsprechend variabel muss die Ernährung angepasst werden. Grundphänomen der Altersernährung ist der rückläufige Energiebedarf (sinkender Grundumsatz, abnehmende körperliche Aktivität) auf etwa 1700–1900 kcal / Tag für über 65-Jährige bei gleichbleibendem oder sogar ansteigendem Nährstoffbedarf. Die S. sollte daher abwechslungsreich aus Nahrungsmitteln aller Lebensmittelgruppen zusammengestellt werden (Abb.).
Bevorzugt werden dabei Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte, also solche, die in Relation zu ihrem Energiegehalt einen hohen Gehalt an essenziellen Nährstoffen besitzen. Für ältere Menschen gelten wie für jüngere Erwachsene die Empfehlungen zur vollwertigen Ernährung nach den 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Dies gilt unabhängig davon, ob Senioren sich selbst verpflegen, an Altenheimverpflegung teilnehmen oder durch Mahlzeitenlieferung (Essen auf Rädern) verpflegt werden. Je weiter die Lebensmittelauswahl krankheitsbedingt eingeschränkt wird oder je stärker der Nährstoffbedarf ansteigt (z. B. bei Krebsleiden), desto größer ist das Risiko einer unzureichenden Nährstoffbedarfsdeckung. Dann empfiehlt sich der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln. Häufige Ernährungsprobleme älterer Menschen sind:
1) eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr und dadurch bedingt ein erhöhtes Risiko für die Exsikkose. Ursachen sind das im Alter abnehmende Durstempfinden, bewusst geringes Trinken bei Harn-Inkontinenz und Vergesslichkeit. 25 % der Senioren trinken weniger als 1 l / Tag und 50 % 1–1,5 l  / Tag. Dabei tragen Kaffee und Tee im Durchschnitt zu 40–48 % zur Getränkezufuhr bei. Empfohlen wird eine Flüssigkeitsaufnahme von ca. 2 l (ohne Verluste durch Fieber u. ä.). Die Trinkmenge muss um so höher sein (mindestens 1,5 l), je niedriger die Energiezufuhr bzw. die verzehrte Lebensmittelmenge ist. Erwünschte Getränke sind wegen des Nährstoffgehalts calcium- und magnesiumreiche Mineralwässer, Obst-, Gemüse-, Vitaminsäfte, Obstsaftschorlen und Milchmixgetränke.
2) Erhebliche Kaloriendefizite bei Hochbetagten (mittlere Aufnahme 1500–1700 kcal) und geriatrischen Klinikpatienten (mittlere Aufnahme 1000–1400 kcal). Als Ursachen gelten Lustlosigkeit am Essen, Appetitmangel, Probleme mit der Altenheim- oder Klinikverpflegung, mangelnde Betreuung beim Essen, psychische Leiden, nachlassendes Geruchs- und Geschmacksempfinden sowie Kaubeschwerden und Schluckstörungen.
3) Inadäquate Versorgungslage mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, die bei quantitativ mangelernährten Hochbetagten und geriatrischen Klinikpatienten erheblich sein kann, aber auch bei quantitativ ausreichender oder überreichlicher Ernährung auftreten kann. Zu den kritischen Nährstoffen zählen Vitamin D, Folsäure und Vitamin B12, die Vitamine C, B1, B2, B6, A und β-Carotin sowie Calcium, Magnesium, Kalium, Eisen, Jod und Zink. Ursachen sind eine unzureichende Essenaufnahme und einseitige Kostwahl, dabei vor allem ein zu geringer Verzehr an Gemüse, Salaten, Zitrusfrüchten, Käse, Fisch und Vollkornprodukten. Weitere Gründe können sein: hohe Zubereitungsverluste (bes. bei Folsäure, Vitamin C und B1), Resorptionsbeeinträchtigungen (B12 und Eisen bei Altersgastritis), ein erhöhter Nährstoffbedarf (Vitamin C zur Stärkung der Immunabwehr, antioxidative Vitamine als Zellschutz, B12, Folsäure und B6 zur Verzögerung der Gefäßsklerose) sowie Medikamentenwirkungen.
Energie- und Nährstoffdefizite verstärken altersbedingte Gesundheitsprobleme, wie allgemein nachlassende geistige und körperliche Leistung, Osteoporose, degenerative Gefäßveränderungen, Immunschwäche, verzögerte Wundheilung, Nachlassen der Sehfunktion sowie Veränderungen am Auge (grauer Star, Netzhautveränderungen), neurologische Störungen und Schilddrüsenfunktionsstörungen. Bei den so genannten Alterskrankheiten wie Altersdiabetes, Gicht oder Hypertonie oder bei Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten (z. B. gegenüber Milchzucker) sind spezifische Diäten angezeigt (vgl. Geriatrie).


Senioren-Ernährung.: Die Ernährungspyramide als generelle Empfehlung für die Senioren-Ernährung. [nach R.M. Russell et al., J Nutr 129 (1999) 751-753; Abb. mit freundl. Genehmigung des Arbeitskreises Ernährungs- und Vitaminforschung, Frankfurt] Senioren-Ernährung.

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