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Lexikon der Geographie: Kausalität

Kausalität, bezeichnet den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung als spezifische Interpretation der Beziehung zweier Variablen. Die Besonderheit der Beziehung findet zunächst in der Wenn-Dann-Form ihren Ausdruck. Die Wenn-Komponente wird als Ursache betrachtet, die Dann-Komponente als die Wirkung. Die Angemessenheit der kausalistischen Interpretation einer Wenn-Dann-Beziehung bzw. des Satzes "wenn p, dann q" setzt voraus, dass "p" für "q" eine hinreichende Bedingung darstellt. Eine hinreichende Bedingung zu sein, bedeutet, dass das Auftreten von "p" reicht, damit "q" eintritt. Kann "p" hervorgebracht werden, dann wird auch all das herbeigeführt, wovon es eine hinreichende Bedingung ist. Einer bestimmten Ursache folgt in determinierter, kausalgesetzesmäßiger Weise eine spezifische Wirkung.
Da in der physischen Welt tatsächlich Gegebenheiten auffindbar sind, die diese Art von Beziehung untereinander aufweisen, kann in diesem Bereich die Kausalerklärung (Erklärung) auch erfolgreich sein, weil sie sich auf empirisch belegbare Kausalzusammenhänge bezieht. Ob diese Bedingungen im gesellschaftlichen Kontext bzw. im Forschungsbereich der sozialwissenschaftlichen Geographie erfüllt sind, ist jedoch umstritten. Vertreter nicht deterministischer Positionen weisen darauf hin, dass der Nachweis der Adäquanz von Kausalerklärungen für gesellschaftliche Problemsituationen zwei Komponenten umfassen müsste: Erstens müsste eine kausale Beziehung zwischen den Bedingungen des Handelns und den beabsichtigten Tätigkeiten bestehen (Determinismus). Zweitens müssten Absicht und Tätigkeit hinreichende Bedingungen für klar identifizierbare Folgen der Tätigkeit sein. Der kausalistische Anspruch besteht darin, immer und überall aufgrund der gegebenen Bedingungen die zu erwartenden Tätigkeiten und Handlungsfolgen benennen zu können (Prognose).
In der humangeographischen Forschung steht der Nachweis von Kausalbeziehungen vor allem im Rahmen des Geodeterminismus und der Raumwissenschaft im Zentrum des Interesses. In den geodeterministisch orientierten Forschungen sollte der Nachweis erbracht werden, dass die "Natur" die "Kultur" und die "Gesellschaft" bestimmt bzw. dass unter gleichen physisch-weltlichen Bedingungen immer und überall dieselben Handlungsweisen beobachtbar sind. In diesem Sinne spricht man bei geodeterministisch postulierter Kausalität im Natur-Kultur-Verhältnis auch von einem Naturdeterminismus.
Im Rahmen der raumwissenschaftlichen Forschung steht der Nachweis der Kausalwirkung von räumlichen Distanzen bei der Entstehung erdräumlicher Anordnungsmuster im Zentrum des Interesses. Der postulierten kausalen Wirkkraft erdräumlicher Distanzen wird damit sowohl bei der grundlegenden Zielsetzung – Ausformulierung einer allgemeinen Raumtheorie – als auch im Zusammenhang mit räumlichen Erklärungen, Prognosen und Technologien eine fundamentale Bedeutung zugewiesen.
Sowohl der geodeterministische als auch der raumwissenschaftliche Anspruch sind in der Theoriediskussion mit wichtigen Einwänden konfrontiert worden. Der Anspruch der Geodeterministen ist bereits dann nicht mehr einlösbar, wenn man akzeptiert, dass Handelnde die Situationen des Handelns immer in Bezug auf das ihnen zur Verfügung stehende Wissen zielspezifisch definieren. Akzeptiert man dies, dann kommt dem verfügbaren Wissen als (notwendiger) Bedingung des Handelns die größere Bedeutung zu, als den "objektiven" physischen und sozialen Bedingungen. Ist dem so, werden die Thesen der Geodeterministen regelmäßig falsifiziert. Gleiche Arten des Handelns werden bestenfalls unter konstanten physisch-weltlichen/sozialen Bedingungen und bei gleichem Wissensstand, gleichen Interessen usw. beobachtbar.
Der raumwissenschaftliche Anspruch ist mit vergleichbaren Argumenten zurückgewiesen worden. "Distanz" per se kann deshalb nicht als hinreichende Bedingung für menschliche Tätigkeiten betrachtet werden, weil ihre Bedeutung jeweils von der Dringlichkeit der zu verrichtenden Tätigkeit abhängt und vor allem auch von dem zur Verfügung stehenden Mittel der Fortbewegung.

BW

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Grafik:
Mathias Niemeyer (Leitung)
Ulrike Lohoff-Erlenbach
Stephan Meyer

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