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Lexikon der Geographie: Konflikt

Konflikt, gegensätzliches oder problembehaftetes Zusammentreffen mehrerer Interessen oder Positionen innerhalb von und zwischen Personen, Gruppen, Institutionen, Staaten und anderen Personenverbänden. Konflikte drücken sich in Streitigkeiten, Auseinandersetzungen oder Kampfhandlungen aus. In der Geographie sind sowohl intrapersonale Konflikte Forschungsgegenstand, z.B. als individuelle Entscheidungsprobleme im Kontext von Wanderungsentscheidungen oder Standortentscheidungen, als auch interpersonale Konflikte, deren Untersuchung eindeutig vorherrscht. Erscheinungsformen liegen auf allen Maßstabsebenen vor. Auf der lokalen Ebene sind es beispielsweise Flächennutzungskonkurrenzen und Standortkonflikte bei Entscheidungen über Standorte von Einrichtungen, die die Wohnqualität beeinträchtigen. Auf der regionalen Ebene werden Stadt-Umland-Probleme, kommunale Neugliederungen oder Raumordnungsfragen (Raumordnung) häufig thematisiert; auf der nationalen Ebene sind das Phänomen des Regionalismus mit seinen Begleiterscheinungen und regionale Disparitäten von Bedeutung; auf der internationalen Ebene spielen Grenzkonflikte (Grenze), geopolitische Auseinandersetzungen und Kriege eine große Rolle. Unterschieden werden können weiterhin manifeste Auseinandersetzungen, wenn gegensätzliche Interessen direkt aufeinander prallen, und latente Gegensätze, die einen schwelenden Konflikt ausdrücken und indirekte Formen der Konfliktaustragung beinhalten können. Zielsetzung dieser Forschungsrichtung ist es, zum einen die jeweiligen Konfliktursachen zu benennen und unterschiedliche Interessen oder Positionen gesellschaftstheoretisch einzuordnen, zum anderen Formen der Konfliktbewältigung als Prozess des Austragens, der Verarbeitung und der Lösung der Konflikte aufzuzeigen.
Die Konfliktforschung ist primär Gegenstand der Politischen Geographie, in der verschiedene konzeptionelle Zugänge vorliegen. Eine erste Richtung beruft sich auf den methodologischen Individualismus und führt Konflikte auf gegensätzliche Präferenzen rational und nutzenorientiert handelnder Personen zurück. Die neoliberale (Neoliberalismus) Auffassung wird in Theorien und Modellen des "rational-" und "public-choice" vertieft und besonders auf Themenstellungen bezogen, in denen öffentliche Güter bedeutungsvoll sind. Öffentliche Güter stellen Formen des Gemeinbesitzes dar und umfassen öffentliche Einrichtungen, die Ver- und Entsorgungsinfrastruktur (Infrastruktur), Wohn- und Umweltqualität (Umweltqualitätsziele) sowie den Naturschutz und Artenschutz. Zwischen individuellen Interessen und einer nachhaltigen Nutzung öffentlicher Güter bestehen latente Konflikte. Sie drücken sich beispielsweise durch die Externalisierung interner Kosten aus, indem Schadstoffe, die bei der Herstellung oder dem Verbrauch von Produkten entstehen, an die Umwelt abgegeben werden, ohne das die Verursacher dafür aufkommen müssen. Weiterhin wird jedes Individuum versuchen, seinen Beitrag zur Herstellung der öffentlichen Güter zu minimieren, da es von altruistischen Aktivitäten anderer als "Schwarzfahrer" profitieren kann. Vor dem Hintergrund derartiger Erklärungen für Konfliktkonstellationen sucht der Public-choice-Ansatz nach Verfahren und Regeln, um die Quantität und Qualität öffentlicher Güter zu gewährleisten wie umweltpolitische Standards, Standorte und Einzugsbereiche öffentlicher Einrichtungen, Größe und Grad der finanziellen Autonomie von Gebietskörperschaften.
Eine zweite Richtung steht in der Tradition gesellschaftstheoretischer Grundannahmen des Marxismus, in der von einem strukturellen Gegensatz zwischen den Besitzern der Produktionsmittel und denjenigen, die lediglich ihre Arbeitskraft anbieten können, ausgegangen wird. Diese ursprünglich für die Zeit der Industrialisierung konzipierte Auffassung hat zahlreiche moderne Varianten, die besonders in der radical geography ausgearbeitet worden sind. Konflikte werden in diesen Ansätzen häufig mit Formen räumlich ungleicher Entwicklung in Beziehung gesetzt, beispielsweise als gegenseitige Verstärkung sozialer und regionaler Benachteiligung. Als Reaktion auf die zunehmende Strukturalismus- (Strukturalismus) und Funktionalismuskritik (Funktionalismus) an neomarxistischen Ansätzen stehen derzeit differenzierte Theorien als Erklärung für räumliche Konflikte zur Debatte (z.B. die Kapital- und Habitustheorie, die Regulationstheorie oder der Poststrukturalismus). Gemeinsam ist diesen Richtungen, dass sie von Widersprüchen der kapitalistischen Entwicklung ausgehen, die in Konflikten über die Stadt- und Regionalentwicklung und als räumliche Ungleichheiten vielfältige Ausdrucksformen finden und in verschiedene Handlungskontexte eingebunden sind. Schließlich werden im Begriff der Friedens- und Konfliktforschung speziell solche Ansätze, die Probleme und Auseinandersetzungen im System internationaler Beziehungen thematisieren, zusammengefasst.

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Grafik:
Mathias Niemeyer (Leitung)
Ulrike Lohoff-Erlenbach
Stephan Meyer

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