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Lexikon der Geographie: Regionalismus

Regionalismus, regionales Bewusstsein der Eigenständigkeit und Versuche territorial definierte Interessen zu institutionalisieren. Als politischer Kampfbegriff wird Regionalismus in der Regel als eine gegen eine bestehende territorialstaatliche Organisation gewendete Orientierung angesehen, die sich anti-zentralistischer, separatistischer oder föderalistischer Argumente bedient. Vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Beziehungen wird der Begriff Regionalismus auch zum Erläutern von Sonderregelungen zwischen grenzüberschreitenden und benachbarten Staaten verwendet. Die vielfältigen Erscheinungsformen des Regionalismus lassen sich in folgende fünf Merkmalsdimensionen unterscheiden:
a) Regionalismus beruht auf der Vorstellung, dass sich eine Region aufgrund ihrer besonderen politischen oder ökonomischen Interessen oder aufgrund der Dominanz von ethnischen, sprachlichen oder religiösen Minderheiten von übergeordneten Räumen, in der Regel dem Nationalstaat, abgrenzen lässt. Dazu können historisch-kulturelle, ethnische, sprachliche oder auch sozioökonomische Merkmale Verwendung finden. Für das Entstehen einer regionalistischen Bewegung ist von entscheidender Bedeutung, dass über derartige Merkmale eine Gemeinschaftlichkeit im Sinne eines Regionalbewusstseins oder einer regionalen Identität vermittelt wird, die besondere regionale Interessen begründen lassen. Derartige Interessen sind daher partikular und ortsgebunden und stehen häufig im Widerspruch zu zentralistischen, universalistischen oder egalitären Prinzipien.
b) Zum Regionalismus gehören zumeist übergeordnete Raumeinheiten. Dieses sind überwiegend Staaten, deren Gewaltmonopol über ein definiertes Territorium und die damit verbundenen Möglichkeiten der Durchsetzung einheitlicher Politik und Verwaltung häufig in Widerspruch mit regionalen Besonderheiten geraten kann. Derartige Abhängigkeiten von einer Mehrheitsbevölkerung und Regierung in einem Staat werden auch als interner Kolonialismus kritisiert. Entstehen und Intensität regionalistischer Interessen sind jedoch nicht unbedingt mit einer spezifischen räumlichen Organisation des Staates gekoppelt. Regionalistische Bewegungen gibt es im zentralistischen Frankreich ebenso wie im föderalistischen Kanada. Jedoch spricht vieles für die These, dass eine zunehmende räumliche Zentralisierung von politischer und ökonomischer Macht zu einem Aufbau von Gegenmacht in der Peripherie führt.
c) Eine etwas andere Perspektive eröffnet sich, wenn als "Gegenpol" nicht eine politische Raumeinheit, sondern allgemeine Prozesse des kulturellen, politischen und ökonomischen Wandels herangezogen werden. Regionalismus kann dann eine ablehnende Reaktion auf nivellierende Wirkungen beispielsweise westlicher Konsummuster, universalistisch konzipierter politisch-ideologischer Grundwerte oder globaler Wirtschaftsverflechtung sein. Dieses, als global-lokale Dialektik bezeichnete Phänomen ist in den letzten Jahren als Fundamentalismus und Globalisierungskritik sehr bedeutungsvoll geworden.
d) Der regionalistische Mobilisierungsprozess ist abhängig von den Zielen der sozialen Bewegung. Je nach Reichweite der Forderungen nach erhöhter Autonomie kann das Spektrum von der Gewährung von zusätzlichen Rechten für Minderheiten, z.B. garantierter Sprachunterricht, über den Aufbau eigenständiger Politik- und Verwaltungsstrukturen und föderalistischem Staatsaufbau bis hin zu separatistischen Bestrebungen mit Abspaltung vom bestehenden Staatsgebilde und Gründung eines eigenen Staates reichen (Föderalismus, Separatismus).
e) Als funktionaler Regionalismus werden Maßnahmen bezeichnet, die der regionalen Ebene eine größere Eigenständigkeit "von oben", d.h. ohne größere politische Auseinandersetzungen, zugestehen. Dazu lassen sich beispielsweise Ansätze der "selbstverantworteten Regionalentwicklung" zählen, die Anfang der 1980er-Jahre zum Bestandteil der deutschen Raumordnungspolitik geworden sind. Hierunter sind auch spezielle EU-Förderungen für grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit zu zählen, mit denen die alten Staatsgrenzen als vermeintliche Barrieren im europäischen Integrationsprozess abgebaut werden sollen (Regionalpolitik).

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Grafik:
Mathias Niemeyer (Leitung)
Ulrike Lohoff-Erlenbach
Stephan Meyer

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