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Lexikon der Geowissenschaften: Messel

Messel, ehemaliger Tagebau in Hessen zwischen Darmstadt und Frankfurt, in dem von 1884 bis 1962 tertiäre Ölschiefer abgebaut wurden. Seit 1995 ist die Grube Messel als Weltnaturerbe in die World Heritage List der UNESCO eingetragen. Die Wichtigkeit der Messeler Ölschiefer beruht auf dem Reichtum an sehr gut erhaltenen Fossilien, die u.a. den Übergang von den archaischen Säugetieren, die Ende des Eozäns aussterben, zu der Frühfauna der heutigen Säugetiere dokumentieren. Die Grube Messel liegt im Übergang zwischen Odenwald und Rhein-Main-Ebene inmitten permischer Sedimente. Der Messeler Ölschiefer wurde als Faulschlamm am Grunde eines eozänen Süßwassersees abgelagert. Der Ablagerungszeitraum umfaßte 1-2 Mio. Jahre im Mitteleozän vor 49-50 Mio. Jahren. Paläomagnetische Messungen lassen eine Lage bei etwa 38º n.Br. annehmen, was der heutigen Position des südlichen Mittelmeerraumes entspricht. Das wärmere feuchtere Klima wird durch die fossile Pflanzenwelt belegt, die u.a. Palmen- und Teestrauchgewächse enthielt. Das Wasser des Sees wurde unter den warmen Klimaverhältnissen wahrscheinlich nur teilweise, vermutlich im Sommer, umgewälzt, wodurch eine geschichtete Wassersäule entstand, der in tieferen Bereichen Sauerstoff fehlte. Untergrund und ehemalige Größe des Sees sind nicht bekannt. Diskutiert werden tektonische Erscheinungen, z.B. ein Grabeneinbruch im Rotliegenden, Vulkanismus (War der See ein Maar?) und Meteoriteneinschläge. Die Seesedimente sind laminiert, was möglicherweise durch saisonale (jahreszeitliche) Wechsel zwischen algen- und tonreichen Lagen zu erklären ist. Das Gestein setzt sich zusammen aus 30-35% Tonmineralen (Smektite), 25-30% organischem Material und 25-45% Wasser. Ein hoher Prozentsatz der organischen Substanz (etwa 80% des Kerogens) besteht aus Überresten der Alge Tetraedron minimum. Auffälliger Bestandteil des Gesteins sind dünne Sideritlagen und Einschlüsse von Phosphatmineralen wie Messelit und Montgomeryt. Der hohe Wassergehalt des Gesteins und die Reaktivität des organischen Materials erfordern besondere Präparationsmethoden.

Typische Messelfossilien sind Fledermäuse und Urpferde. Fossile Fledermäuse sind weltweit selten, aber in Messel wurden allein 300 Exemplare gefunden. Sie haben bereits alle Mittelohrknochen, die für Ultraschallortung notwendig sind, und dokumentieren die schnelle Entwicklung dieser Kleinsäuger. Zwei Arten von Urpferden (Propalaeotherium) kommen in Messel vor, beide waren Waldbewohner, die weiche Nahrung fraßen und mehrere Zehen hatten. Über 2000 Funde wurden bisher gemacht. Messel ist auch eine bedeutende Fundstätte für Insekten, bei denen z.T. sogar die Strukturfarben noch erhalten sind. Die größten Ameisen der Welt, alle beflügelt, kommen hier vor. Die häufigsten Wirbeltiere sind Fische, die mit sechs Arten vertreten sind. Alle sind Raubfische, anscheinend waren keine Friedfische im Messelsee vorhanden. Die meisten der Messelarten sind auch aus dem heutigen Amazonasbecken bekannt und tolerieren sauerstoffarme Gewässer. Unter den Amphibien sind Frösche häufig, deren Umriß durch das Wachstum von Bakterienrasen auf der Haut oft gut erkennbar ist. Die größten Fossilien von Messel sind die oft meterlangen Krokodile. Sie sind wichtige Klimaindikatoren, da sie sich nur bei Durchschnittstemperaturen von über 25ºC vermehren können. Weitere Reptilien sind Schildkröten, Warane, Leguane und andere Echsen sowie Baum- und Würgeschlangen. Interessanterweise werden Wasservögel nur sehr selten in den Messeler Ölschiefern gefunden, während Flugvögel fast die Hälfte aller gefundenen Landwirbeltiere ausmachen. Es wird angenommen, daß diese beim Überfliegen des Sees in eine sauerstoffarme Gasglocke gerieten und ins Wasser stürzten. Durch die Einrichtung eines Schutzgebietes ist der ehemalige Tagebau von Messel jetzt auch ein artenreiches Biotop für rezente Floren und Faunen geworden. [SP]

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