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Lexikon der Kartographie und Geomatik: Bevölkerungskarten

Bevölkerungskarten, E population maps, bedeutsame und umfangreiche Kartenart (Kartenklassifikation) aus dem Bereich der Sozialgeographie. Bevölkerungskarten haben die georäumlich relevante natürliche und soziale Differenzierung der Gesellschaft zum Gegenstand. Sie weisen alle Maßstabsbereiche auf; von der Weltkarte (1 : 150 Mio.) bis zur großmaßstäbigen Stadtteilkarte.
Für viele sozialgeographische Studien liefern Karten der Bevölkerungsverteilung oder der Bevölkerungsdichte eine wesentliche Grundlage. Die Verteilungsdarstellung erfolgt durch Mengenwertpunkte von ein, zwei oder drei Größen bzw. Werten, kann aber auch in größenvariable Signaturen bzw. Diagramme übergehen (kartographische Darstellungsmethoden).
Eine weitere Form der Absolutwertdarstellung in Verteilungskarten sind Karten der mittleren Bevölkerungsdichte (Relativwertdarstellung). Sie werden auf Grundlage einer Verteilungsdarstellung (geographische Methode) oder aus statistischen Daten von Verwaltungseinheiten abgeleitet (statistische Methode). Die letztgenannte Methode wird wesentlich von der Größenordnung und den Größenabweichungen der gewählten bzw. verfügbaren Bezugsflächen bestimmt. Aus Dichtekarten mit regelmäßigen Bezugsflächen lassen sich dabei besonders realitätsnahe Verteilungsmuster ableiten. Während die Punktmethode besser für große und mittlere Maßstäbe geeignet ist (bis ca. 1 : 2 Mio.), sind in den kleinen Maßstäben (> ca. 1 : 5 Mio.) Dichtekarten anschaulicher.
Im breiten Spektrum kartographischer Bevölkerungsdarstellungen sind des weiteren die unten genannten Themenbereiche von Bedeutung. Sie weisen fließende Grenzen zu den Wirtschaftskarten und den Verkehrskarten sowie zu Karten siedlungs- und kulturgeographischen Inhalts auf: 1. Alters- und Geschlechtsstruktur, 2. Veränderung (Entwicklung) der Bevölkerungszahl, die häufig in die Komponenten der natürlichen (Geburten, Sterbefälle) und räumlichen (Zuzüge, Wegzüge) Veränderung zerlegt oder auf Grundlage dieser Komponenten typisiert wird. Unter Berücksichtigung der Altersstruktur lassen sich auf Grundlage der genannten Komponenten raumbezogene Szenarien der künftigen Entwicklung berechnen, die in Karten der Bevölkerungsprognose ihren Niederschlag finden, 3. Erwerbsstruktur, Arbeitslosigkeit, 4. Pendler, 5. Nationalitäten, Ethnische Strukturen, Sprache, Konfessionen, 6. Wohnungen.
Die häufigste Methode der Darstellung von Bevölkerungsphänomenen ist das Flächenkartogramm (Choroplethenkarte). Für die meisten dieser Themen haben jedoch größenvariable Signaturen oder Diagramme eine größere Aussagekraft. Zur Darstellung der Dynamik im Raum (z.B. Wanderungen, Umsiedlung) sind Bewegungslinien und Pfeile besonders geeignet.
Bevölkerungskarten sind zentraler Bestandteil von Karten bzw. Kartenwerken über Volkszählungen. Darüber hinaus existieren zahlreiche Bevölkerungsatlanten.
Bevölkerungsdaten und -karten wurden relativ früh rechnergestützt bearbeitet. Davon zeugen zahlreiche "Computeratlanten zur Bevölkerung". Desgleichen findet man zunehmend kartographische Anamorphoten, in denen die Größe von Verwaltungseinheiten oder Staaten flächenproportional zu Bevölkerungsdaten verändert ist (DORLING 1995).
Ein allgemeines Problem ist die hinreichende sachliche und räumliche Differenzierung der Daten. Abgesehen von den Unterschieden in der Größe von Bezugsflächen bewirkt die tendenzielle Vergrößerung der Verwaltungseinheiten eine stete Verringerung der räumlichen Auflösung. Hinzu kommt, dass wegen der Dynamik der Verwaltungseinheiten Zeitreihen kaum über längere Perioden geführt und nur mit hohem Aufwand in Karten umgesetzt werden können.

KGR

Literatur: [1] DORLING, D. (1995): A New Social Atlas of Britain. Chichester – New York – Brisbane – Toronto – Singapore. [2] WITT, W. (1971): Bevölkerungskartographie. Veröffentlichung der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Abhandlungen, Bd. 63. Hannover.

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