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Lexikon der Kartographie und Geomatik: Blindenkarten

Blindenkarten, taktile Karten, E tactile maps, Karten für blinde und sehgeschädigte Personen, die für die kartographische Kommunikation den Tastsinn nutzen müssen.
Die visuelle Wahrnehmung wird somit durch die taktile Wahrnehmung ersetzt.
Blindenkarten und andere kartographische Darstellungsformen für Sehgeschädigte (z. B. taktile Globen) gibt es bereits seit Mitte des 19. Jhs. Eine deutliche Fortentwicklung, sowohl inhaltlich als auch gestalterisch und herstellungstechnisch, war in den Jahren von 1920 bis zum zweiten Weltkrieg zu verzeichnen. Heute stehen neben großmaßstäbigen Plänen und mittel-, aber auch kleinmaßstäbigen geographischen und thematischen Karten nicht zuletzt taktile Atlanten für Sehgeschädigte zur Verfügung. In den thematischen Karten und thematischen Atlanten werden relativ häufig auch geowissenschaftliche Themen behandelt. Immer größere Bedeutung erlangen audio-taktile Dialogsysteme, bei denen mit Computerunterstützung neben der taktilen auch die auditive Wahrnehmung zur Informationsübertragung genutzt wird und Dialogfähigkeit gegeben ist.
Bei der Gestaltung von klassischen Blindenkarten, die auf dem Nutzungsprinzip des Abtastens von zumeist erhabenen Punkt- und Linienelementen beruhen, macht sich insbesondere das Fehlen der graphischen Variable Farbe nachteilig bemerkbar. Auch die Variable Helligkeit ist nicht nutzbar und kann nur indirekt als Abstandswert von Linienmustern (vgl. Schraffur) gestaltend eingesetzt werden. Die zusätzliche Verwendung von Farben bei diesem speziellen Kartentyp hat nur dann Berechtigung, wenn es sich bei den Kartennutzern um sehgeschädigte Personen mit einem Rest von Augenlicht handelt.
Die Darstellung der einzelnen Kartenelemente (syntaktische Struktur der Kartenzeichen) ist weitgehend von den Anforderungen der Braille-Blindenschrift bestimmt, die bestimmte Anordnungsprinzipien, Ausdehnungsparameter u. ä. erfordert. Deshalb kann die Informationsdichte nur verhältnismäßig gering sein. Die Verwendung von größeren Legenden, die sich meist zwangsläufig ergeben, ist erschwert. Vielfach sind die Kartenzeichensysteme, z. B. bei großmaßstäbigen Orientierungsplänen, standardisiert.
Die verbreitetsten, vielfach rechnergestützt ablaufenden Herstellungstechnologien sind heute das Thermo-Vakuumtiefziehverfahren und das Quellkopierverfahren. Das erste ist zwar technisch relativ aufwendig, führt aber zu gut handhabbaren Karten aus fester Plastikfolie, die bis zu drei Ebenen der Erhabenheit aufweisen können. Das zweite arbeitet mit einem Spezialpapier (Schwellpapier), ist technisch weniger aufwendig, liefert aber nur kleine Kartenformate und kann die georäumlichen Informationen nur auf einer erhabenen Ebene darstellen.

WKH

Literatur: [1] PODSCHADLI, E. (1988): Tastbare Karten, Atlanten und Globen. In: Kartographische Nachrichten, 38, 47-54. [2] KOCH, W.G. (1999): Kartographische Informationen tasten und hören – Orientierungshilfsmittel für Blinde. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden, 48.


BlindenkarteBlindenkarte: Ausschnitt aus einer Blindenkarte (nach Brieger 1987).

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