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Lexikon der Kartographie und Geomatik: Kartenanamorphote

Kartenanamorphote, Kartenanamorphose, kartographische Anamorphose, 1. kartographische Darstellung mit variablem Maßstab. Infolge der Unmöglichkeit, die Kugelgestalt der Erde ohne Verzerrungen (Verzerrungstheorie) zu verebnen, tendieren alle Karten, deren Verzerrungsbeträge über der Zeichengenauigkeit (Kartengenauigkeit) liegen, zur Kartenanamorphote. Diese Tendenz wächst mit abnehmendem Maßstab und wird besonders bei Erddarstellungen (Planisphäre) offenbar.
Der Begriff der Kartenanamorphote ist jedoch nur für jene Darstellungen in Gebrauch, deren Geometrie nach bestimmten Regeln gegenüber einer Ausgangskarte bewusst verzerrt wird. Auf Erddarstellungen bezogen sind dies Karten, in denen das Verhältnis Meridianlänge : Äquatorlänge von 1 : 2 abweicht, die folglich gedehnt oder gestaucht sind.
Die vom primären Kartennetzentwurf abweichende bewusste Verzerrung von Karten mittleren und großen Maßstabs dient der Anpassung an ein vorgegebenes Kartenformat oder der Vergrößerung der nutzbaren Darstellungsfläche in Dichtegebieten. Zum Beispiel wird in Stadtplänen nicht selten der Bereich des Stadtzentrums in größerem Maßstab als die Randgebiete der Stadt dargestellt. Dabei wird der Maßstab, ausgehend von einem zentralen Punkt, einer mathematischen Funktion folgend, verkleinert. Zum genannten Zweck ist auch die von mehreren Punkten ausgehende polyfokale Maßstabsreduzierung möglich (Abb. 1).
2. Anamorphotendarstellung, E value-aera cartogram, kartenverwandte Darstellung, deren Geometrie proportional zur Ausprägung eines Merkmals verzerrt wird. Zu unterscheiden sind Abbildungen, in denen die Geometrie von einem Punkt ausgehend beeinflusst wird (z. B. Fahrtzeiten, Reisezeiten, bezogen auf ein Zentrum) sowie kartogrammähnliche Darstellungen, deren Flächen (meist Verwaltungseinheiten) proportional zu einem Merkmal skaliert werden (Abb. 1b). Für Letztere ist in der englischen Fachsprache der Begriff cartogram üblich. Sie sind aber keineswegs identisch mit Darstellungen nach der Flächenkartogramm-Methode bzw. Choroplethenkarten.
In beiden beschriebenen Arten der Kartenanamorphoten bleibt die relative Lage der Objekte unverändert, d. h. die Topologie der Kartenzeichen wird erhalten. Die Bearbeitung von Kartenanamorphoten erfolgt mittels spezieller Software.
Die Möglichkeiten und der Nutzen der erstgenannten Gruppe kartographischer Anamorphoten sind weitgehend anerkannt. Über die Rezeption von Kartenanamorphoten thematischer Natur (zweite Gruppe) existieren nur wenige empirische Untersuchungen. Ihnen wird ein Interesse provozierendes Potential zugeschrieben (Abb.).

KGR


Kartenanamorphote 1:Kartenanamorphote 1: a) unverzerrte Karte einer Stadt im Maßstab 1 : 300 000. b) verzerrte Karte (Anamorphote) mit vergrößertem Stadtzentrum und verkleinerten Stadtrandgebieten. Der Maßstab im Zentrum beträgt 1 : 210 000, was einer Verdoppelung der verfügbaren Fläche entspricht. In den Blattecken hat die Darstellung etwa den halben Maßstab der Ausgangskarte.

Kartenanamorphote 2 Kartenanamorphote 2.

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