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Lexikon der Kartographie und Geomatik: Kartensprache

Kartensprache, kartographische Zeichensprache, E map language, ein auf den georgischen Kartographen A.F. Aslanikashvili und den tschechischen Kartographen A. Koláčný zurückgehender Terminus für ein spezifisches System von Zeichen (Kartenzeichen) einschließlich der Regeln für dessen Anwendung zur kartographisch-modellhaften Abbildung von georäumlichen Objekten und Sachverhalten zum Zwecke der Kommunikation und Erkenntnisgewinnung. Theorien und Methodiken der Kartensprache haben ihre Wurzeln in der strukturalistisch-linguistischen Semiotik der französischen Semiologen, vor allem F. de Saussures (1857-1913), deren Vertreter versuchen, Strukturen der natürlichen Sprache (Verbalsprache) auf "nichtsprachliche", künstliche Zeichensysteme zu übertragen. Die linguistische Prägung von Theorien der Kartensprache ist unterschiedlich. Sie hängt ab von Art und Umfang der Übertragung von Kategorien der natürlichen Sprache auf den Bereich des Visuellen, so auch der Kartographie. In den 70er und 80er Jahren des 20. Jhs. haben sich in diesem Sinne, neben der graphischen Semiologie von J. Bertin, folgende wissenschaftliche Auffassungen herausgebildet:
L. Ratajski setzt den sprachwissenschaftlichen Begriff "Grammatik" (morphologisches und syntaktisches System einer Sprache) zur Kartensprache in Beziehung, gelangt aber letztlich zu einem dem System der graphischen Variablen von J. Bertin sehr ähnlichen Modell. A.A. Ljutyj unterscheidet in seinem System drei kartographische Subsprachen, das System der Kartenzeichen, das System der kartographischen Gefügestrukturen (ein stark erweitertes Modell der kartographischen Darstellungsmethoden bzw. Kartentypen) und das System der Kartenschrift. Diese dritte Subsprache rechnet Ljutyj jedoch nicht zur Kartensprache im engeren Sinne.
J. Pravda orientiert sein System der Kartensprache, auch hinsichtlich der Terminologie, konsequent an den Strukturen bzw. am System der natürlichen Sprache. Als linguistische Ebenen werden Kartosignik (Ebene des Zeichenvorrats), Kartomorphographie (Ebene der Kartengestaltung bzw. Kartenkonstruktion), Kartosyntax (bzw. Kartosyntaktik) (Ebene der Zeichenverbindungen bzw. -beziehungen) und Kartostilistik (Ebene des Kartenstils, des graphischen Erscheinungsbildes) unterschieden. Diese Konzeption gründet sich auf die Grundbegriffe Kartographem, Kartomorphem, und Kartosyntagma. Als Kartosyntagma wird jedes Kartenzeichen definiert, das verstanden wird als konkrete graphische Bezeichnung (Signifikat) eines beliebigen abstrakten Begriffs (Designat) in der Karte. Das Kartomorphem ist der kleinere, bedeutungstragende Teil des Kartosyntagmas. Es ist gekennzeichnet durch Präsentationsfunktion, Wiederholbarkeit und Unteilbarkeit bezüglich bedeutungstragender Eigenschaften. Das Kartographem ist die elementare, visuell unterscheidbare graphische Gestalt ("Motiv"), die das Kartomorphem aufbaut. Es ist in der Regel nicht bedeutungstragend (vgl. ikonische Figur im kartographischen Zeichenmodell).
Bedeutende Untersuchungen zur Kartensprache, die noch nicht abgeschlossen sind, hat es u. a. auch in Kanada durch G. Head und H. Schlichtmann gegeben. Von H. Schlichtmann wurde in diesem Zusammenhang der Begriff des "map symbolism" geprägt und inhaltlich untersetzt. Im weitesten Sinne kann man auch die Theorien, Modelle und Methoden der Kartengraphik und Kartengestaltung bzw. der Modellierung georäumlicher Objekte und Sachverhalte mittels Kartenzeichen ganz allgemein als Kartensprache definieren.

WKH

Literatur: [1] PRAVDA, J. (1984): Die kartographische Ausdrucksform aus der Sicht der Sprachtheorie. In: Petermanns Geogr. Mitt., 2, 161-169. [2] SCHLICHTMANN, H. (1985): Characteristic Traits of the Semiotic System "Map Symbolism". In: The Cartographic Journal, 1/2. [3] WOLODTSCHENKO, A. (1991): Zu Forschungsrichtungen der Kartensprache. In: Vermessungstechnik, 86-88. [4] OGRISSEK, R. (1987): Theoretische Kartographie, Gotha.

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