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Lexikon der Kartographie und Geomatik: Legende

Legende, Kartenlegende, Zeichenerklärung, E legend, 1. (von lat. legenda "eine zu lesende Schrift"); auf Gemälden, Holzschnitten und Kupferstichen der die Darstellung erläuternde Text des sogenannten Spruchbandes. Dementsprechend werden die auf historischen Karten häufig zu findenden Textfelder mit erläuternden Schriftzusätzen als Legende bezeichnet, während über dem Block der Kartenzeichen häufig "Erklärung der Zeichen" steht. Heute wird der Begriff sowohl gleichbedeutend mit Zeichenerklärung (s. u.) als auch für die Gesamtheit der Erklärungen und Erläuterungen auf einem Kartenblatt benutzt (Freitag 1987).
2. Verbale und numerische, auch graphische Erklärung der zur Darstellung des Karteninhalts (Kartengegenstand) verwendeten Kartenzeichen. Die Legende ist neben dem Kartenbild, dem Kartentitel und der Maßstabsangabe der wichtigste Bestandteil der Karte. Sie gibt erschöpfende Auskunft über die Transkription des der Karte zugrunde liegenden Begriffsapparates in die kartographische Zeichensprache und in spezifisch kartographische Ausdrucksmittel, d. h. über die vereinbarte Bedeutung der einzelnen Kartenzeichen. Im Kontext mit dem Kartentitel liefert sie den Schlüssel für das Verständnis der Karte und die Erschließung ihres Inhalts, d. h. die Rückübersetzung der Graphik in Begriffe.
Aus der Sicht der Semiotik stellt die Legende in erster Linie die semantischen Beziehungen zwischen den Kartenzeichen und den Begriffen her, wenngleich sie, als Zeichensystem betrachtet, selbstverständlich auch syntaktische Aspekte (hinsichtlich der Beziehungen der Kartenzeichen untereinander) und sigmatische Aspekte (die Beziehungen der Kartenzeichen zu den dargestellten Objekten betreffend) aufweist.
Modelltheoretisch kann die Legende als nichtgeoräumlich determiniertes Modell (vgl. Georaum) der in der Karte abgebildeten Wirklichkeit aufgefasst werden. Sie ist der um die konstruktiven Details reduzierte, erklärte Zeichenschlüssel. Während jedoch der Zeichenschlüssel das Substrat für die Konstruktion des kartographischen Modells liefert, bietet die Legende eine der wesentlichen Grundlagen für die Modellnutzung (Kartennutzung).
Ein entsprechend hoher Stellenwert kommt dem Entwurf (Autorenoriginal) und der Gestaltung von Legenden zu (Kartenredaktion), die folgenden Grundregeln genügen sollten:
a) sämtliche in der Karte auftretenden Kartenzeichen sind zu erklären; nicht vorkommende Zeichen sind wegzulassen oder mit einem entsprechenden Vermerk zu versehen. In Handatlanten können die Kartenzeichen getrennt nach Maßstäben, in thematischen Atlanten die Basiselemente in einer gesonderten, für alle Karten geltenden Legende erklärt werden.
b) Das Layout der Legende ist stets als Teil des Kartenlayouts zu verstehen und damit auf den Feinheitsgrad des Kartenbildes abzustimmen. Die Legende sollte nach Möglichkeit rechts und/oder unten auf dem Kartenblatt bzw. der Seite angeordnet werden.
c) Die begriffliche, meist hierarchische Ordnung des Karteninhalts muss sich in einer klaren Gliederung der Legende widerspiegeln. Zu diesem Zweck wird die Legende in Blöcke oder Spalten aufgeteilt, denen inhaltliche Teilkomplexe entsprechen, welche i. d. R. mit den Darstellungsschichten korrespondieren und deshalb mit entsprechenden Zwischenüberschriften versehen werden sollten.
d) Der erklärende Text muss knapp, aber treffend formuliert sein. Die Formulierung gliedernder Zwischentitel soll die Begriffshierarchie Kartentitel - Zwischentitel - Einzelerklärung verdeutlichen. Vollständige Sätze, überflüssige Artikel, Wiederholung von Begriffen aus übergeordneten Textteilen sind zu vermeiden. Die Erklärung steht im Singular, soweit nicht durch das erklärte Kartenzeichen tatsächlich eine räumliche Gruppierung mehrerer Objekte auszudrücken ist.
e) Die Klassifizierung von Merkmalen lässt sich auf verschiedene Weise ausdrücken. Jedoch müssen die Klassengrenzen eindeutig aus der Erklärung hervorgehen. Ihre allzu genaue Angabe (z. B. mit mehreren Kommastellen) ist der Lesbarkeit abträglich und häufig unbegründet, da sie eine Genauigkeit vortäuscht, die die zugrunde liegenden Daten ohnehin nicht aufweisen.
f) Der Wertmaßstab von Signaturen oder Diagrammen, aber auch andere quantitativ dargestellte Kartenelemente werden in der Legende platzsparend durch graphische Darstellungen mit dem Charakter von Nomogrammen erklärt.
Die Legende von Bildschirmkarten weist, bedingt durch die Auflösung und das Format des Bildschirms sowie durch den Grad der Interaktivität der Darstellung, Besonderheiten auf (vgl. interaktive Legende). Ihre bevorzugte Position ist der rechte Bildschirmrand. Sie kann aber auch als verschiebbares Rollup-Menü (vgl. Menü) variierbarer Größe ausgelegt sein. Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung und Interpretation der Kartenzeichen ergeben sich, wenn diese durch Vergrößern oder Verkleinern der Karte (Zoomen) in anderen Größen als in der Legende auf dem Bildschirm erscheinen.
Ein höherer Grad an Interaktivität ermöglicht es gegebenenfalls, durch Anklicken von Legendenzeilen oder zugeordneten Buttons, damit verbundene Darstellungsschichten ein- oder auszublenden. Des Weiteren können Funktionen zur Veränderung der graphischen Parameter (z. B. von Farben), der Klassifikation der dargestellten Daten, sogar der kartographischen Darstellungsmittel, implementiert sein. Hierdurch wird der ursprünglich erklärende Charakter der Legende wesentlich erweitert. Bei entsprechender interaktiver Funktionalität wird die Legende zur Steuerung der Visualisierung von Daten eines Informationssystems benutzbar. Diese Erweiterung bzw. Überlagerung der Funktionen wird besonders augenscheinlich, wenn von angeklickten Objekten der Bildschirmkarte Erklärungen bzw. Einzelinformationen abrufbar sind.

KGR

Literatur: [1] FREITAG, U. (1987). Die Kartenlegende – nur eine Randangabe? Kartographische Nachrichten, 37. Jg., Heft 1, 42-49. [2] IMHOF, E. (1972): Thematische Kartographie.

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