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Lexikon der Kartographie und Geomatik: prähistorische Karten

prähistorische Karten, E prehistoric maps, grundrissartige oder bildhafte kartenähnliche Verzierungen oder Ritzungen auf überdauerndem Material wie Knochen, Horn oder Keramik sowie Felsmalereien und Steinritzungen von schriftlosen Völkern aus Epochen der Vorgeschichte. Solche zur prähistorischen Kunst zählenden Darstellungen rückten erst seit den 1960er Jahren verstärkt in das Blickfeld der Kartographiegeschichte.
Bereits aus dem Jungpaläolithikum, häufiger aus dem Mesolithikum sind bildhafte Darstellungen bekannt, bei denen einzelne Komponenten wie Häuser, Umzäunungen oder Flüsse im Grundriss erscheinen. Aus der Grabung Pavlov in Südmähren wurde eine Ritzung in einem Mammutstoßzahn geborgen, die aus der Zeit 25 000 v.Chr. eine Landschaftsskizze erkennen lässt. An der neolithischen Fundstelle von Catal Hüyük bei Konya in der Türkei wurde eine Wandmalerei von ca. 6200 v.Chr. als Grundriss einer Siedlung und als Profil eines nahen Vulkans gedeutet. Weiterhin bekannt wurden die Felsmalereien aus der Bronzezeit (Mitte des 2. Jts. v.Chr. aus dem Valcamonica bei Brescia in Italien. Äußerst detailliert mit Häusern Gärten und Wegen, aber auch mit Tieren und Menschen belebt ist der Plan von Bedolina gestaltet. Insgesamt waren bis 1985 über 50 Beispiele überwiegend aus dem jüngeren Neolithikum und der Bronzezeit, hauptsächlich aus Südeuropa, dem Nahen Osten und Nordafrika dokumentiert. Solche Zeichnungen repräsentieren die relative Lage von Objekten, lassen aber Größe, Gestalt und Richtung vermissen; sie eignen sich damit nicht zur Orientierung, sondern sind als Umweltsymbolisierungen aufzufassen und dienen der Übermittlung von Botschaften. Als Gradmesser zur Einstufung als kartenähnlich wurden folgende Merkmale vorgeschlagen: 1. Über zufälliges Nebeneinander hinaus sollte eine Anordnung erkennbar sein. 2. Die verwendeten ikonischen Zeichen sollten überwiegend mehrfach vorkommen. 3. Die Darstellung sollte aubstrakte Landschaftsmerkmale aufweisen. 4. Die Gesamtkomposition sollte nicht rein geometrisch, sondern unregelmäßig (natürlich) sein. In Vensley bei Dalby in Dänemark wurden Darstellungen von Sternbildern gefunden, die sich als prähistorische Sternkarten ansprechen lassen.

WSS

Literatur: [1] BLUMER, W. (1968): Ortsplan von Bedolina. Felsgravur um die Mitte des 2. Jts. v. Chr., In: Kartogr. Nachrichten, Jg. 18, 10-13. [2] SMITH, C.D. (1987): Cartography in the prehistoric period in the Old World. In: HARLEY, J.B. & WOODWARD, D. (ed.): The History of Cartography, Vol. One. Chicago, 54-101. [3] WOLODTSCHENKO, A. (1992): Diskussionsbeitrag zu paläokartographischen Darstellungen. In: Wiss. Zeitschr. d. TU Dresden, Jg. 41, H. 2, 67-69.

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