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Lexikon der Kartographie und Geomatik: Ptolemäus, Claudius

Ptolemäus, Claudius, (griech. Klaudios Ptolemaios), bedeutender Astronom, Mathematiker und Geograph der Antike, * ca. 100 in Hermiou/Oberägypten, † 180 in Alexandria. Zu seinem Leben existieren nur vage Angaben aus byzantinischer Zeit; gesicherte Daten liegen von Sternbeobachtungen zwischen 26.3.127 bis 2.2.141 vor. Er war tätig im Museum von Alexandria. Seine bekanntesten Werke sind zur Astronomie die "Matematikè syntaxis" (später auch "Megiste" =Größte Syntaxis, daraus arab. "Almagest"), sie ist die Vollendung der Geozentrik für 1 500 Jahre; zur Optik, zur Astrologie "Tetrabiblos" und die ›Einführung in die Geographie‹ (griech. "Geographikè Hyphegesis"). Ihre acht Bücher entsprachen wohl ehemals acht Papyrusrollen; unter Geographie verstand Ptolemäus das Zeichnen kartographischer Darstellungen der gesamten Erde (im Unterschied zu Chorographie als Darstellung eines Landes und Topographie einer Örtlichkeit). Sein Ziel war unter Bezug auf Marinos von Tyros, der sämtliche älteren geographischen Erkenntnisse um 110 zusammengefasst und in einer rechteckigen Plattkarte dargestellt hatte (nicht überliefert), die Ökumene, die den Griechen bekannten Teile Europas, Asiens und Afrikas, lagerichtig im verebneten Gradnetz wiederzugeben. Ptolemäus verkleinerte die Westosterstreckung von 225° auf 180°, die Breite (Nordsüderstreckung) von 87° auf 80° (15° Süd bis 65° Nord) und schlug als Netz für die fast gänzlich nördlich des Äquators liegende bekannte Welt zwei Kegelprojektionen, eine mit geraden und eine mit gebogenen Meridianen, mit gekrümmten (in 36° Nord berührenden) Breitenkreisen vor, was eine deutlich verbesserte Abbildung ermöglichte. Die Bücher 2 bis 7 der ›Geographia‹ enthalten Koordinatenlisten von über 8 000 Örtlichkeiten, davon 400 astronomisch bestimmt; das 8. Buch Hinweise auf Blattschnitte von Regionalkarten. Die erfassten Koordinaten können nur aus ihm vorliegenden Karten entnommen und listenförmig geordnet worden sein. Nach Ptolemäus hat sein Werk Agathodämon ergänzt und eine Weltkarte entworfen. In der Folge wurde die "Geographia" in der römischen und griechischen Welt viel benutzt, blieb in Byzanz immer bekannt, wurde früh ins Syrische (Aramäische) und von da ins Arabische übersetzt und so im gesamten islamischen Bereich verbreitet. Griechische Manuskripte der Texte sind in mehreren Varianten, seit dem 12. Jh. auch Variante A mit 26 Regional- und 1 Weltkarte und Variante B mit 64 Karten erhalten; die ältesten schuf der Mönch Maximos Planutes (1260-1310). Die älteste erhaltene Übersetzung ins Latein geht auf 1406, die Latinisierung der Karten auf 1415 zurück. Die erste Druckausgabe ohne Karten erfolgte 1475, mit Kupferstichkarten 1477 in Bologna und die von Donnus Nicolaus Germanus in Trapezform gestalteten, hervorragend gestochenen Karten mit dem Titel "Cosmographia" 1478 in Rom. Die ersten Ausgaben in Deutschland entstanden 1482 in Ulm (Neudruck 1486) und 1513 und 1520 in Straßburg; bis Ende des 16. Jhs. folgen, zunehmend ergänzt durch moderne (zeitgenössische) Karten, noch 30 Ausgaben, weitere 26 im 17. Jh. Damit hat Ptolemäus unabhängig davon, ob sämtliche Karten direkt auf ihn zurückgehen, die Entwicklung der Kartographie in Westeuropa nachhaltig geprägt.

WSS


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Dr. Frank Heidmann, Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, Stuttgart

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RST

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JSR

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