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Lexikon der Mathematik: Boltzmann, Ludwig

österreichischer Physiker und Mathematiker, geb. 20.2.1844 Wien, gest. 5.10.1906 Duino (bei Triest).

Boltzmann promovierte 1866 in Wien bei Stefan, dessen Assistent er anschließend wurde. Boltzmann lehrte in Graz, ging dann nach Heidelberg und später nach Berlin, um seine Studien bei Bunsen, Kirchhoff und Helmholtz fortzusetzen. 1869 wurde Boltzmann Professor für theoretische Physik in Graz, 1873 für Mathematik in Wien, drei Jahre später für experimentelle Physik in Graz und 1894 für theoretische Physik in Wien. Letztere Professur war durch Aufenthalte 1900-1902 in Leipzig und 1904 in Berkeley und Stanford unterbrochen.

Boltzmann leitete 1871 unabhängig von Maxwell die Geschwindigkeits- und Energieverteilung für Gasmoleküle ab und entwickelte ferner die Maxwell-Boltzmann-Statistik, welche die Verteilung von unterscheidbaren atomaren Teilchen ohne Berücksichtigung des Spins im Phasenraum nach Ort und Impuls beschreibt. Boltzmann lieferte 1884 die aus den Prinzipien der Thermodynamik ableitbare Begründung für das von Stefan 1879 empirisch gefundene Stefan-Boltzmann-Gesetz der Gesamtstrahlung eines schwarzen Körpers. 1890 leitete Boltzmann den 2. Hauptsatz der Thermodynamik aus den Prinzipien der statistischen Mechanik ab (Boltzmann-Gleichung).

Zeit seines Lebens ist Boltzmann mit seinen Ideen bei den etablierten Wissenschaftlern seiner Zeit auf große Ablehnung gestoßen. Es wird vermutet, daß er deswegen seinem Leben selbst ein Ende setzte.

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  • Die Autoren
- Prof. Dr. Guido Walz

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