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Lexikon der Mathematik: Dynkin, Evgenii (Eugene) Borisowitsch

russischamerikanischer Mathematiker, geb. 11.5.1924 Leningrad, gest. 14.11.2014 Ithaca (New York).

Dynkin wurde als Sohn jüdischer Eltern in Leningrad geboren und lebte dort trotz immer stärkerer Repressalien, denen die Familie wegen ihres Glaubens ausgesetzt war, bis 1935. Dann wurde Dynkins Vater zum Volksfeind erklärt, und die Familie mußte ins Exil nach Kasachstan gehen, wo sein Vater zwei Jahre später verschwand.

Aufgrund dieser Situation hatte Dynkin zunächst große Schwierigkeiten, an der Moskauer Universität wissenschaftliche Karriere zu machen. Schon seine Aufnahme dort im Jahre 1940 grenzte nach seinen eigenen Worten an ein Wunder, und nur durch persönlichen Einsatz von Kolmogorow, dessen Schüler er wurde, konnte Dynkin sein Studium 1945 erfolgreich beenden – er war wegen einer Sehschwäche vom Kriegsdienst befreit worden – und 1948 eine Assistenzprofessur bei Kolmogorow erhalten. Sechs Jahre später berief man ihn an der gleichen Universität (Moskau) auf einen Lehrstuhl für Mathematik, den er bis 1968 innehatte. In diesem Jahr wechselte er zur Akademie der Wissenschaften der UdSSR, wo er u. a. sehr erfolgreich eine Gruppe junger Wissenschaftler anleitete. Im Jahr 1976 schließlich wagte Dynkin einen großen Schritt und wanderte in die USA aus, wo er ein Jahr später an die Cornell University in Ithaca (New York) berufen wurde.

Auch die mathematischen Interessengebiete Dynkins wechseln in etwa synchron mit den Veränderungen in seinem persönlichen Leben. Während der ersten Jahre in Moskau widmete er sich vor allem den Lie-Gruppen und Lie-Algebren, aber nach Übernahme des Lehrstuhls 1954 wandte er sich mehr und mehr der Wahrscheinlichkeitstheorie, insbesondere den Markow-Prozessen und ihrer Anwendung auf Potentialtheorie, sowie der Statistik zu. Seit seinem Wechsel nach Amerika beschäftigt er sich vor allem mit der Anwendung von Markow-Prozessen auf die Lösung nichtlinearer partieller Differentialgleichungen.

Dynkins Einfluß auf verschiedene mathematische Forschungsgebiete ist sehr groß, und beispielsweise ist die Dynkin-Formel ebenso wie Dynkin-Systeme aus der modernen Mathematik kaum mehr wegzudenken.

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  • Die Autoren
- Prof. Dr. Guido Walz

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