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Lexikon der Mathematik: Jordan, Camille Marie Ennemond

französischer Mathematiker, geb. 5.1.1838 Croix-Rousse (heute zu Lyon gehörend), gest. 21.1.1922 Mailand.

Der Sohn eines Ingenieurs studierte in Paris, wurde zum Bergbauingenieur ausgebildet und promovierte 1861. Jordan war ab 1873 an der École Polytechnique tätig und erhielt dort 1876 eine Professur. Gleichzeitig war er ab 1883 Titularprofes- sor am College de France. Er war ab 1895 Vizepräsident und ab 1916 Präsident der Akademie der Wissenschaften zu Paris.

Jordan war sehr vielseitig. Er arbeitete zu algebraischen Problemen, hauptsächlich zur Gruppentheorie. Sein Hauptwerk dazu, „Traité des substitutions“ (1870), trug wesentlich zum Verständnis und zur Würdigung der Galois-Theorie bei. Er stellte darin die bekannten Resultate über Gruppen zusammen, leitete den Jordan-Hölderschen Satz über Kompositionsreihen her und konnte so feststellen, ob eine gegebene Gleichung durch Radikale lösbar ist oder nicht. Er untersuchte spezielle Matrizen, algebraische Formen und lineare Gruppen endlicher Ordnung.

Ein zweites Arbeitsgebiet Jordans war die reelle Analysis. Seine Untersuchungen bildeten einen Ausgangspunkt zur Herausbildung der Theorie der reellen Funktionen. Er führte den Begriff „Funktion von beschränkter Schwankung“ ein und zeigte seine Beziehung zu monoton wachsenden Funktionen (Jordan-Zerlegung). Er entwickelte ein Kriterium für die Konvergenz der Fourierreihe einer periodischen Funktion. Sein „Cours d’Analyse“ (1882-1887) war ein Standardwerk der Analysis.

Auf topologischem Gebiet untersuchte er Polyeder, bewies den Jordanschen Kurvensatz und führte den Begriff der Homotopie ein. Jordan beschäftigte sich auch intensiv mit Kristallographie, Wahrscheinlichkeitsrechnung und gelegentlich mit der Anwendung der Mathematik auf technische Probleme.

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  • Die Autoren
- Prof. Dr. Guido Walz

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