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Lexikon der Mathematik: Liu Hui

chinesischer Mathematiker, lebte Anfang des 3. Jahrhunderts in Zixiang (heute: Provinz Shandong), China.

Über die Person Liu Hui geben die historischen Standardquellen wenig Auskunft. Die Annalen der Jin- und Sui-Dynastien erwähnen lediglich den von ihm im Jahre 263 fertiggestellten Kommentar des auf das 2. Jh. v.Chr. zurückgehenden mathematischen Klassikers der „Neun Kapitel über mathematische Prozeduren“ (chin. Jiu zhang suanshu).

656 wurde das kommentierte und um ein von Liu Hui selbst verfaßtes Kapitel, dem „Mathematischen Klassiker vom Spiegel der Meere“ (chin. Haidao suanjing ), erweiterte Werk von dem Hofastrologen und Mathematiker Li Chunfeng (602–670) und seinem Stab im Rahmen eines kaiserlichen Kompilationsprojektes der „Zehn Bücher mathematischer Klassiker“ (chin. Suanjing shi shu) herausgegeben und mit zusätzlichen Kommentaren versehen.

Liu Huis Kommentar stellt nicht nur abstrakte Verbindungen her zwischen verschiedenen Prozeduren des Klassikers, sondern ergänzt diesen auch durch Beweise und neue Verfahren. Eine der am meisten erwähnten Errungenschaften ist die Approximation von π durch sukzessive Kreispolygone: Durch ein einbeschriebenes Polygon mit 96 Seiten und ein umbeschriebenes Polygon von 192 Seiten berechnet er π auf 5 Dezimalstellen exakt. Die Urheberschaft von Kommentarfragmenten zur Berechnung von Volumina, die einen zum Cavalierischen Prinzip verwandten Algorithmus verwenden, ist umstritten. Vermutlich geht dieser auf Zu Geng zurück, dem Sohn des berühmten Tang-Mathematikers und Astronomen, Zu Chongzhi (429–500).

Der „Mathematische Klassiker vom Spiegel der Meere“, ursprünglich Kommentar zu Kapitel 9 der „Neun Kapitel über mathematische Prozeduren“, enthält Vermessungsaufgaben für indirekte Beobachtung, die durch Betrachtung der drei Seiten (chin. gou, gu und xian) rechtwinkliger Dreiecke gelöst werden.

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  • Die Autoren
- Prof. Dr. Guido Walz

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