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Lexikon der Neurowissenschaft: Aphrodisiakum

Aphrodisiakum s [von griech. Aphrodisiakos = der Schönheits- und Liebesgöttin Aphrodite zugehörig; Mehrzahl Aphrodisiaka], E aphrodisiac, 1) beim Menschen: Aphrodisiaka sind Substanzen, die eingesetzt werden, um den Geschlechtstrieb und die Potenz zu steigern; ihre Wirkung ist umstritten. 2) Stoff, der bei Tieren die Kopulationsbereitschaft fördert. In der Regel sind dies Pheromone, die im Lauf des Sexualverhaltens abgegeben oder präsentiert werden. Aphrodisiaka sind vor allem bei Insekten, aber auch bei Säugetieren gut untersucht ( siehe Zusatzinfo ). – Auch Antiaphrodisiaka sind aus der Natur bekannt: bei manchen Fliegen-, Käfer- und Bienenarten scheint es Stoffe zu geben, die im Verlauf der Paarung vom Männchen an das Weibchen abgegeben werden und die bewirken, daß das Weibchen für andere Männchen nicht mehr als potentielle Paarungspartnerin identifiziert werden kann.

Aphrodisiakum

Das Männchen des Kaisermantels (Argynnis paphia), eines einheimischen Schmetterlings, stülpt zwischen dem 7. und 8. Hinterleibssegment eine auffällige Drüse aus und gibt ein Aphrodisiakum ab, das beim Weibchen die Kopulationsbereitschaft auslöst. Andere Schmetterlinge stoßen Aphrodisiaka mit den Schuppen ab (Duftschuppen). Bei einer Reihe von Insekten gelangen Männchen nur zur Paarung, wenn sie ihren Weibchen für sie interessante Stoffe anbieten, die die Männchen entweder selbst produzieren müssen oder die sie in ihrer Umwelt erst sammeln müssen (gustatorische Balz). So bieten die meisten Zipfelkäfer ihren Weibchen in komplexen Drüsen (Excitatoren) Sekrete an, die sie auflecken. Ähnliches ist bei den Weinhähnchen (Blütengrillen) oder einige Schaben zu beobachten. Die Spanische Fliege (Lytta vesicatoria) produziert nur im männlichen Geschlecht das giftige Cantharidin und überträgt es während der Kopula auf das Weibchen. Andere Käfer (wahrscheinlich einige amerikanische Kardinalkäfer) müssen Cantharidin erst sammeln. Sie präsentieren es dann in Kopfgruben ihren Weibchen und werden vermutlich nur bei genügender Menge Cantharidin zur Paarung akzeptiert. In diese Kategorie gehören auch die meisten Fälle von Pharmakophagie. Weit verbreitet ist die Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden (z.B. als Lycopsamin) aus allen möglichen Pflanzen (z.B. aus verschiedenen Senecio-, Heliotropium- oder Crotalaria-Arten). Bei vielen Vertretern der Danaidae (Monarch oder Gattung Amauris) stellen daraus die Männchen das Aphrodisiakum Danaidon her, ohne das sie nicht zur Paarung gelangen. Andere Schmetterlinge bauen das Pyrrolizidinalkaloid zu anderen Danaidon-Typen um (z.B. zu Hydroxydanaidal) und präsentieren diesen Stoff in abdominalen Pinseln (z.B. Gattung Amauris) oder in zum Teil riesigen, über Luftdruck ausstülpbaren Abdomenanhängen (Corema; z.B. bei dem Bärenspinner Creatonotus gangis aus Indonesien). Hier hängt die Größe der Coremata von der Menge aufgenommener Pyrrolizidinalkaloide ab. Aphrodisiaka scheinen neben der Paarungsstimulation auf Weibchen auch und möglicherweise vor allem die Funktion der Fitness-Demonstration in der Balz zu haben (sexuelle Selektion).

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