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Lexikon der Neurowissenschaft: Chlorpromazin

Chlorpromazin s, E chlorpromazine, Phenothiazin mit offener Seitenkette ( siehe Abb. ), ein schwaches Neuroleptikum (neuroleptische Bezugssubstanz mit der Wirkstärke 1). Chlorpromazin ist das erste Medikament, das als neuroleptisch wirksam beschrieben wurde ( siehe Zusatzinfo ). Es wurde bei Psychosen und Manien verwendet. Chlorpromazin blockiert Dopaminrezeptoren (D1 und D2), Acetylcholinrezeptoren, α-adrenerge Rezeptoren, Serotoninrezeptoren (5HT6 und 5HT7) und Histaminrezeptoren (H1) und besitzt somit ein extrem breites Wirkspektrum. Es ist zentral dämpfend, antiemetisch, antipsychotisch, lokalanästhetisch, ganglienblockierend, antihistaminisch, α-sympatholytisch, parasympatholytisch, hemmt die zentrale Temperaturregulierung des Organismus und senkt dessen Grundumsatz. Chlorpromazin gestattet dadurch die Abkühlung des Patienten, ohne daß kompensatorische Mechanismen aktiviert werden, wie z.B. Adrenalin-Ausschüttung oder Muskelzittern. Daraus leitet sich das frühere Hauptanwendungsgebiet, die Prämedikation und Intensivmedizin, ab (Chlorpromazin ist oft Bestandteil des Cocktail lytique). – Heute wird Chlorpromazin nur noch in der Tiermedizin als Beruhigungsmittel verwendet. Chlorpromazin hat beim Menschen starke Nebenwirkungen; unter anderem löst es nach Hautkontakt eine langanhaltende Lichtempfindlichkeit der Haut mit Ekzembildung aus. Außerdem steht Chlorpromazin im Verdacht, cancerogen, mutagen und teratogen zu sein.



Chlorpromazin

Chlorpromazin

Chlorpromazin gilt als das erste als antipsychotisch wirksam erkannte Medikament und kam nur auf verschlungenen Wegen in die Psychiatrie. Chlorpromazin wurde 1950 durch Charpentier synthetisiert und 1951 zur Verwendung in klinischen Studien freigegeben. Es wurde erstmals 1952 einem psychiatrischen Patienten in einem Militärspital in Paris verabreicht. Die therapeutische Wirksamkeit von Chlorpromazin wurde jedoch erst nach 1960 durch die US Administration Collaborative Study Group über jeden Zweifel hinaus bewiesen. Ende der 1960er Jahre wurde bestimmt, daß Chlorpromazin in einer Dosis von 500 mg pro Tag verabreicht werden sollte, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen.

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