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Lexikon der Neurowissenschaft: Corpus striatum

Corpus striatum s [von latein. corpus = Körper, striatus = gestreift], Streifenkörper, Streifenhügel, E striate body,i.e.S. Bezeichnung für ein Kerngebiet (grau) an der Innenfläche der Großhirnhemisphäre, das von den Fasern (weiß) der Capsula interna durchdrungen wird und deshalb ein (grau-weiß) gestreiftes Aussehen hat. Bei manchen Säugetieren, vor allem beim Menschen, wird die einheitliche embryonale Anlage (der sogenannte Ganglienhügel) durch die Fasern der Capsula interna fast vollständig in das seitliche Putamen und das mediale Caudatum aufgetrennt. Wo diese Auftrennung nicht oder nur unvollständig erfolgt (weil die Capsula interna fehlt oder nur schwach entwickelt ist; z.B. im vorderen Bereich der Hemisphären bei allen Säugern, in der gesamten Hemisphäre bei Nagetieren und bei allen Nicht-Säugern) spricht man vom "Caudoputamen-Komplex" oder einfach nur vom "Striatum" (obwohl diese Gebiete mangels Capsula interna dann oft nicht einmal gestreift aussehen). An der Basis des Corpus striatum, wo die Streifung immer fehlt, befindet sich der Fundus striati, der gemeinsam mit Teilen der Amygdala als ventrales Striatum dem dorsalen Striatum oder Caudatoputamen gegenübergestellt wird. – I.w.S. wird bei Säugetieren unter Corpus striatum oft auch die Zusammenfassung von Globus pallidus (Pallidum) und Corpus striatum i.e.S., s.o., verstanden. Der Globus pallidus liegt zwar dem Putamen medial eng an (Putamen und Globus pallidus werden zusammen auch als Nucleus lentiformis bezeichnet), stammt aber ontogenetisch aus dem Diencephalon. Das Caudatum und das Putamen unterscheiden sich trotz ihrer Trennung durch die Capsula interna cytologisch und funktionell nicht, dagegen ist der Globus pallidus von beiden sehr verschieden (s.u.). Das Corpus striatum und der Globus pallidus bilden zusammen den größten Teil der als Basalganglien bezeichneten Strukturen im Säugetiergehirn. – Alle Rindenareale projizieren zum Corpus striatum (i.e.S.), wobei eine somatotopische Anordnung erkennbar ist, d.h., daß z.B. der somatosensorische Cortex auf Teile des Corpus striatum projiziert, die von den lokal begrenzten Zielgebieten der Projektionen aus den auditorischen, visuellen und motorischen Cortices oder aus dem Assoziationscortex abgrenzbar sind. Durch spezifische Färbungen lassen sich in dem scheinbar homogenen Gebiet zwei Zonen unterscheiden, wobei die Striosomen von der Matrix umgeben sind. Die Striosomen interagieren mit limbischen und präfrontalen Rindenfeldern, die Matrix mit motorischen und sensorischen Arealen. Mehr als 70% der Nervenzellen des Striatums sind Projektionsneurone, die mittels GABA als Neurotransmitter die tonische Aktivität in Globus pallidus und Substantia nigra hemmen. Der Untergang dieser hemmenden Neurone bei Chorea führt zu unwillkürlichen, abnormen Bewegungen. – Da es im Globus pallidus viel weniger Neurone gibt als im Striatum, müssen dort viele Axone auf wenige Neurone konvergieren. Die Efferenzen des Globus pallidus verlaufen in der Ansa lenticularis, einem Faserbündel, das zu einem Gebiet des Thalamus führt, zu dem auch das Kleinhirn projiziert: den VA-VL-Komplex. Dieser sendet nun seinerseits umfangreiche Projektionen zum Motorcortex, von dem die Pyramidenbahn entspringt, welche die Willkürmotorik vermittelt. Zerstörungen oder Fehlfunktionen des Nervengewebes im Corpus striatum haben daher in der Regel verheerende Folgen für die Koordination von Körperbewegungen im allgemeinen. – Bei Säugetieren werden in diesem Zusammenhang auch die Begriffe "Neostriatum" und "Palaeostriatum" verwendet, wobei Neostriatum das Caudatum und das Putamen (d.h. das Corpus striatum i.e.S.; s.o.), Palaeostriatum den Globus pallidus bezeichnet. Aufgrund eines falschen Homologieverdachtes werden große Bezirke im Telencephalon der Vögel und Reptilien ebenfalls mit dem Suffix "-striatum" bezeichnet (Hyperstriatum, Ectostriatum, Neostriatum, Archistriatum, Palaeostriatum usw.). Nur eines dieser Areale der Vögel, das Palaeostriatum, entspricht dem Komplex aus Caudatum, Putamen und Globus pallidus der Säuger, die übrigen sind palliale Gebiete. Außerhalb der Vögel und Säuger wird ziemlich einheitlich der Begriff des Striatum bzw. der des Caudoputamen zur Bezeichnung der ventrolateralen Hemisphärenwand verwendet. Bei diesen Tieren kommt es nicht zur Bildung einer Capsula interna, so daß ein eigentliches Caudatum und Putamen nicht unterschieden werden können. Auch schließt sich der Globus pallidus dem Striatum nicht so eng an wie bei den Säugern, er liegt als Nucleus entopeduncularis anterior im Diencephalon, relativ weit vom Striatum entfernt.

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