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Lexikon der Neurowissenschaft: Duchenne-Muskeldystrophie

Duchenne-Muskeldystrophie w, Abk. DMD, E Duchenne muscular dystrophy, eine durch ein defektes Gen auf dem X-Chromosom der Mutter verursachte Erkrankung des Muskels, bei der das Protein Dystrophin nicht mehr hergestellt wird. Die Abwesenheit von Dystrophin führt zur drastischen Abnahme von Proteinen des Dystrophin-Glykoprotein-Komplexes im Sarkolemma, was zu dessen mechanischer Schwächung führt. Viele verschiedene Mutationen im Dystrophin-Gen sind bis jetzt charakterisiert worden, und alle führen zum Fehlen des Proteins. Die relativ hohe Häufigkeit von 1:3500 männlichen Neugeborenen beruht unter anderem darauf, daß dieses Gen mit rund 2,4 Megabasen eines der größten bekannten Gene ist und daher eine große "Angriffsfläche" für Mutationen darstellt. – Vor 120 Jahren wurden die Symptome der Duchenne-Muskeldystrophie erstmals von dem französischen Arzt Duchenne de Boulogne beschrieben. Die Muskeln werden schwach und schließlich funktionslos. Das klinische Erscheinungsbild beginnt zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr mit Schwierigkeiten beim Laufen und Stehen, zwingt die Patienten im weiteren Verlauf in den Rollstuhl und führt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum Tod wegen Aussetzens der Atmung oder der Herztätigkeit. Eine Heilung der Krankheit ist derzeit nicht möglich. Erste Ansätze dazu bietet jedoch ein Myoblastentransfer. Dabei werden noch unreife Muskelzellen (Myoblasten) von muskelgesunden Spendern in muskelkrankes Gewebe gespritzt. Der Patient erhält so Zellkerne mit einem intakten Dystrophin-Gen, und seit Februar 1990 in Memphis durchgeführte Operationen zeigen, daß es zu leichten Verbesserungen der Muskelkraft kommt. Diese Operationen sind noch umstritten, da gegen eine mögliche Abstoßungsreaktion mit immunsuppressiven Medikamenten behandelt werden muß und dabei starke Nebenwirkungen auftreten können. Derzeit laufen Tierversuche über den Transfer "nackter" Gene in der Hoffnung, die Abwehrreaktionen des Organismus zu umgehen. Andere neue therapeutische Ansätze zielen darauf, dem Dystrophin funktionell verwandte Proteine wie zum Beispiel Utrophin in der Muskelfaser hochzuregulieren. Erbkrankheiten (Tabelle).

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