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Lexikon der Neurowissenschaft: Narkose

Narkose w [von griech. narkosis = Betäubung], Allgemeinanästhesie, E general anaesthesia, künstlich herbeigeführte, reversible Funktionshemmung des Zentralnervensystems mit Verlust des Bewußtseins und der Schmerzempfindung (Schmerz) und einer Dämpfung der willkürlichen und reflektorischen Muskeltätigkeit sowie der Atmung und des Kreislaufs. Die übergeordneten, phylogenetisch jüngeren Hirnteile werden zuerst ausgeschaltet. Nach dem amerikanischen Anästhesisten Arthur E. Guedel unterscheidet man vier Narkosestadien: Analgesiestadium, Excitationsstadium, Toleranzstadium und Asphyxiestadium ( siehe Zusatzinfo 1 ), definiert bei einer Mononarkose mit Diethylether, wie sie heute nicht mehr durchgeführt wird. Die heutige Narkose ist eine Kombinationsnarkose, bei der die einzelnen Komponenten, z.B. Bewußtlosigkeit, Schmerzfreiheit und Muskelentspannung, mit verschiedenen Pharmaka (Narkotika, Analgetika, Muskelrelaxantien) z.T. selektiv beeinflußt werden können. Eine Narkose sollte gut steuerbar sein, d.h., die Wirkung der Narkotika sollte schnell einsetzen und schnell abklingen, so daß Dauer und Tiefe der Narkose dem Verlauf der Operation angepaßt werden können. Die Medikamente müssen eine ausreichende Sicherheitsbreite bieten, d.h., die Differenz zwischen wirksamer und toxischer Dosis darf nicht zu gering sein. Zur Abschätzung des Narkoserisikos können die Patienten in fünf Risikogruppen unterteilt werden ( siehe Zusatzinfo 2 ). Eine Sonderform ist die Neuroleptanalgesie, bei der stark wirkende Analgetika (z.B. Fentanyl) mit einem Neuroleptikum (z.B. Droperidol) kombiniert werden. Diese Narkoseform findet bei Eingriffen am Gehirn breite Anwendung, da der intracranielle Druck und die cerebrale Durchblutung nicht ansteigen, wie es bei vielen Inhalationsnarkotika der Fall ist. Anästhesie, Betäubung.

Narkose

1 Narkosestadien nach Guedel (Guedel-Schema):

1) Analgesiestadium:

Im Verlauf dieses Narkosestadiums verliert der Patient die Schmerzempfindung und am Ende dieser Phase das Bewußtsein.
2) Excitationsstadium:
Durch Hemmung übergeordneter motorischer Zentren im Gehirn kommt es zu einer Enthemmung der untergeordneten motorischen Zentren und damit zu einer motorischen Hyperaktivität, die sich in Muskelzuckungen und Schwanken des Blutdrucks und der Atemfrequenz äußert.
3) Toleranzstadium:
Bei erhaltener Kreislauf- und Atmungsfunktion kommt es zu einer Hemmung der Großhirnzentren und des Rückenmarks. In diesem Stadium sind keine Reflexe mehr zu beobachten, die Muskulatur ist erschlafft, die Pupillen sind geweitet, und die Atmung ist ruhig und regelmäßig. In dieser Phase der Narkose können Operationen durchgeführt werden.
4) Asphyxiestadium, paralytisches Stadium:
In dieser Phase kommt es zu einer Lähmung der vegetativen Zentren im verlängerten Mark. Ohne künstliche Beatmung droht Tod durch Herzstillstand.

Narkose

2 Risikogruppen für Narkosen (ASA-Risikogruppen, nach der American Society of Anesthesiologists):

1) normaler, praktisch gesunder Patient
2) Patient mit leichter Allgemeinerkrankung
3) Patient mit schwerer Allgemeinerkrankung
4) Patient mit lebensbedrohlicher Erkrankung
5) moribunder Patient, mit dessen Tod innerhalb von 24 h gerechnet werden muß

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