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Lexikon der Neurowissenschaft: Narkotika

Narkotika [von griech. narkotikos = betäubend], Allgemeinanästhetika, Anästhetika, Betäubungsmittel, Narkosemittel, E narcotics, Pharmaka, die eine Narkose hervorrufen, d.h. Substanzen, die bei entsprechender Dosierung eine reversible Lähmung des Zentralnervensystems bewirken, so daß Bewußtsein, Schmerzempfindung, Abwehrreflexe und Muskelspannung weitgehend ausgeschaltet sind, die lebenswichtigen Zentren des Myelencephalons aber möglichst unbeeinflußt bleiben. Es handelt sich dabei um wasser- und lipidlösliche Substanzen, die sich in die Membran der Nervenzelle einlagern und damit das Membrangefüge verändern ( siehe Zusatzinfo ). Dadurch kommt es wahrscheinlich zu einer Störung der Arbeitsfähigkeit der Na+- und K+-Kanäle und damit zu einer Hemmung der Weiterleitung der Erregung (Erregungsleitung). Dafür, daß Narkotika das Membrangefüge stören und nicht als Rezeptorantagonisten wirken, spricht die Tatsache, daß eine Druckerhöhung die Wirkung der Narkotika aufheben kann (Membrangefüge wird wieder hergestellt). Außerdem müssen Narkotika mindestens zum Teil lipidlöslich sein, um eine narkotische Wirkung entfalten zu können. Jedes Narkotikum hat ein charakteristisches Wirkprofil und wirkt unterschiedlich stark auf das Bewußtsein (narkotisch), die Schmerzempfindung (analgetisch), die Muskelspannung (muskelrelaxierend), das Herzkreislaufsystem, die Atmung, den intracraniellen Druck, die cerebrale Durchblutung, die Nierendurchblutung usw. Je nach Art der Operation, Grund- und Begleiterkrankung des Patienten und der spezifischen Risiken (maligne Hyperthermie) und Nebenwirkungen werden die Narkotika ausgewählt und kombiniert. Für Eingriffe am Gehirn werden Opioidanalgetika, Benzodiazepine, Neuroleptika (Neuroleptanästhesie) und als Inhalationsanästhetikum Isofluran bevorzugt angewendet.

Narkotika

Nach der Art ihrer Applikation unterscheidet man:
1) Injektionsnarkotika: parenteral verabreichte Narkotika mit guter Lipidlöslichkeit. Die Wirkung dieser Narkotika tritt sehr rasch ein. Deshalb eignen sie sich zur Einleitung einer Narkose und für sehr kurze Narkosen. Zu den Injektionsnarkotika gehören: a) Barbiturate (z.B. Thiopental, Methohexital, Hexobarbital), b) Propanidid, c) Ketamin, d) Etomidat, e) Propofol, f) Benzodiazepine, g) Opioidanalgetika (Opium-Derivate).
2) Inhalationsnarkotika: mit der Atemluft verabreichte Narkotika. Ihre Wirksamkeit beruht auf einer Interaktion mit lipophilen Membranteilen oder Strukturen membrangebundener Proteine, wobei zwischen Wirkstärke und Lipophilie eine enge Korrelation besteht. Die physiko-chemischen Eigenschaften der Inhalationsanästhetika bestimmen ihre Löslichkeit im Blut und beeinflussen somit ihre Steuerbarkeit: mit steigender Löslichkeit im Blut sind sie schlechter steuerbar, d.h., es dauert länger, bis zwischen dem Partialdruck in der Atemluft und der Wirkung (am Gehirn) ein Gleichgewicht hergestellt ist. Das gasförmige Lachgas ist schlecht im Blut löslich und flutet daher schnell an und ab. Alle anderen Inhalationsanästhetika sind flüssig und schlechter steuerbar. Zu den Inhalationsnarkotika gehören: a) Distickstoffmonoxid (Lachgas), b) fluorierte Verbindungen (Enfluran, Isofluran, Halothan, Desfluran, Sevofluran). Heute nicht mehr verwendet werden: Diethylether, Chloroform, Cyclopropan, Ethylen.

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