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Lexikon der Neurowissenschaft: Sexualhormone

Sexualhormone [von latein. sexualis = geschlechtlich, griech. hormon = antreibend], Geschlechtshormone, E sex hormones, bei Wirbeltieren die sich vom Cholesterin ableitenden Steroide (Steroidhormone) der Östrogene und Androgene sowie das Progesteron. Sie werden in beiden Geschlechtern in den Gonaden wie auch in der Rinde der Nebenniere (Corticosteroide) gebildet. Beim Mann überwiegt die Bildung von Androgenen (Testosteron), während bei der Frau die Östrogene überwiegen. Progesteron hat beim Mann keine offensichtlichen hormonellen Wirkungen in der Körperperipherie, wird aber in beiden Geschlechtern auch im Zentralnervensystem (als Neurosteroid) gebildet und könnte in diesem Rahmen gezielt Hirnfunktionen beeinflussen (neuroaktive Steroide). Produktion und gonadale Freisetzung der Sexualhormone stehen unter der Kontrolle der in beiden Geschlechtern vorkommenden Gonadotropine FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon). – Androgene und Östrogene sind während des Wachstums für die normale körperliche Entwicklung und für die Ausbildung und Regulation der Gonadenzyklen wichtig. Die Sexualhormone bewirken die Differenzierung und Entwicklung der Geschlechtsorgane und die Bildung der sekundären Geschlechtsmerkmale. Zusätzlich entfalten sie zahlreiche extragenitale, metabolische Wirkungen, so z.B. im männlichen Geschlecht auf die Proteinsynthese, insbesondere die der Myofibrillen, so daß gegenüber dem weiblichen Geschlecht ein relativ hoher Muskelanteil resultiert. – Die Sexualsteroide passieren die Blut-Hirn-Schranke und binden zentralnervös an spezifische Rezeptoren, die in hoher Dichte in hypothalamischen Strukturen (Area praeoptica, ventromedialer Kernbereich; Hypothalamus) und limbischen Regionen (Amygdala, Stria terminalis; limbisches System), aber teils auch in neocorticalen Arealen (Neocortex) vorkommen. Langzeitwirkungen von Sexualsteroiden sind für geschlechtsspezifische Dimorphismen der Gehirnentwicklung und die Herausbildung geschlechtstypischer sexueller Verhaltensweisen mitverantwortlich (geschlechtsspezifisches Verhalten, Geschlechtsunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht). Östrogene und Androgene regulieren auch akut reproduktive Verhaltensweisen. Gut untersucht ist in diesem Zusammenhang das Lordosisverhalten der weiblichen Ratte, das vor allem durch Östradiol-Einflüsse auf präoptische und ventromediale hypothalamische Areale kontrolliert wird. Die Wirkungen interagieren dabei mit verschiedenen neuropeptidergen (z.B. Oxytocin, Gonadoliberin) und klassischen Transmittersystemen (Neurotransmitter). Östrogene und Testosteron regulieren auch Sexualverhalten im männlichen Organismus. Die Differenzierung der Einflüsse beider Hormone bei dieser Regulation wird dabei dadurch erschwert, daß Testosteron lokal zu Östradiol gewandelt werden kann. Der verhaltensneurobiologische Einfluß von Sexualhormonen bleibt nicht auf sexuelle Verhaltensweisen im engeren Sinne beschränkt, sondern betrifft auch andere Verhaltensweisen wie z.B. Aggression, Erkundungsverhalten und Freßverhalten. Beim Menschen wurden Einflüsse von Sexualsteroiden auf höhere kognitive Funktionen (Kognition), d.h. auf sprachliche Leistungen (Sprache) und Leistungen räumlichen und kreativen Denkens nachgewiesen. Hormone, Menstruationszyklus, Pheromone, Sexualdimorphismus, Sexuallockstoffe.

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