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Lexikon der Optik: Farbenphotographie

Farbenphotographie, Farbphotographie, Colorphotographie, Buntphotographie, Gesamtheit photographischer Verfahren, mit denen eine (normale) farbige bildmäßige Wiedergabe eines Originals bzw. einer Szene oder einer farbigen Vorlage erreicht wird.

Im Prinzip kann F. auf physikalischem Weg (z.B. mit Strahlteilung und Filtern oder mit Interferenzverfahren oder Rastern in Verbindung mit einfarbigen, schwarz-weißen photographischen Aufzeichnungen) oder über photographisch-chemische Farbstoffverfahren (Aufbau, Abbau oder bildmäßige Diffusion von Farbstoffen) erfolgen. Nur die letztgenannten, chemischen Verfahren haben heute Bedeutung. Alle Verfahren der F. mit Ausnahme der Interferenzverfahren (Lippmannsche Farbenphotographie) arbeiten mit drei Teilbildern (Farbauszügen) in festgelegten Grundfarben; bei Farbverfahren mit additiver Farbmischung werden blaue, grüne und rote Teilbilder erzeugt und überlagert, bei Farbverfahren mit subtraktiver Farberzeugung werden gelbe, purpurne und blaugrüne Farbstoffteilbilder hergestellt und zusammen als Filter für weißes (Wiedergabe-)Licht benutzt.

Je nach Lichtweg unterscheidet man zwei grundsätzliche Klassen von Verfahren der F., die Spreizverfahren und die Siebverfahren. Als Kombinationsverfahren bezeichnet man Gesamtverfahren, die für Primäraufnahmen das eine und für die (Massen-)Kopien das andere Verfahren verwenden; typischer Vertreter ist das Technicolor-Verfahren (s. Farbtafel ).

Zur Gruppe der Spreizverfahren zählen alle Verfahren, bei denen das von dem Aufnahmeobjekt, der Aufnahmeszene oder der Vorlage kommende Licht vor seiner Einwirkung auf photographische Schichten durch Strahlteilung und Filter in drei Teilbilder (Rot, Grün, Blau) aufgespalten wird. Spreizverfahren arbeiten also auf der Grundlage der additiven Farbmischung. Typische Realisierungen des Spreizverfahrens sind die Linien- und Linsenrasterverfahren (Farbrasterverfahren, Linsenrasterfilm).

Siebverfahren dagegen arbeiten auf subtraktiver Grundlage. Man benutzt als Photomaterial ein Mehrschichtsystem, in dem durch Wahl der spektralen Empfindlichkeitsverteilung (Sensibilisierung) der Einzelschichten und mittels gegebenenfalls in den Schichtverband eingebauter Filter (z.B. eine Gelbfilterschicht) eine Aufzeichnung der Blau-, Grün- und Rotteilbilder in verschiedenen Schichten des Photomaterials erreicht wird. Bei der Verarbeitung des Registrats entstehen im Schichtverband gelbe, purpurne und blaugrüne Teilbilder aus den entsprechenden Bildfarbstoffen. Auf diese Weise funktionieren fast alle modernen colorphotographischen Systeme, darunter die Materialien der Typen Agfacolor, Agfachrome, Eastmancolor, Fujicolor, Ektachrome, Kodachrome, Orwocolor, Orwochrom, Polacolor u.a. Je nach Art der Formung der Farbstoffbilder unterscheidet man Farbstoffaufbau-Verfahren, Silberfarbbleich-Verfahren und Farbstoffdiffusions-Verfahren.

Hinsichtlich Verbreitung, Marktvolumen und Beliebtheit bei den Amateuren stehen die Farbstoffaufbau-Verfahren an erster Stelle. Es werden verschiedene Mehrschicht-Farbfilme verwendet, die Silberhalogenide als lichtempfindliche Substanzen und im Visualisierungsschritt die Farbentwicklung (Chromogenentwicklung) nutzen. Dieses Verfahren ist für Amateur- wie Professionalzwecke, für Steh- und Laufbildphotographie gleichermaßen geeignet. Der grundsätzliche Aufbau besteht aus mehreren Schichten auf einem Träger; im Falle der Negativ- und Umkehrmaterialien ist die klassische Schichtfolge: Träger/rotempfindliche Schicht mit Blaugrünkuppler (Unterguß)/grünempfindliche Schicht mit Purpurkuppler (Mittelguß)/evtl. Gelbfilter/blauempfindliche Schicht mit Gelbkuppler (Oberguß). Die photographisch wichtigen Eigenschaften eines Colorumkehrfilms zeigen Abbn. 1 und 2.

Colornegativ-Materialien liefern nach Belichtung und Verarbeitung ein Farbnegativ mit gelben, purpurnen und blaugrünen Teilbildern. Die Sensibilisierung ist überlappend (ähnlich wie in Abb. 1). Die Bildfarbstoffe sind so gewählt, daß ihre spektralen Absorptionsmaxima genügend weit auseinanderliegen. Alle modernen Colornegativ-Materialien sind wirksam maskiert. Das Farbnegativ dient als Vorlage für den Kopierprozeß auf ein Colorpositiv-Material, das die klassische oder auch eine vertauschte Schichtfolge besitzen kann. In der Stehbildphotographie wird von Farbnegativen auf Colorpapier kopiert (Printen). Die abermalige Colorverarbeitung liefert ein Positiv.

Colorumkehr-Material wird hauptsächlich für die Anfertigung von Unikaten (z.B. Diapositiven) benutzt. Bei der Umkehrverarbeitung wird vor der Farbentwicklung eine Schwarz-Weiß-Entwicklung vorgenommen, anschließend wird das unentwickelte Silberhalogenid chromogen entwickelt, es entsteht so im Aufnahmematerial ein Positiv. Das Kopieren von Umkehrbildern kann auf Colorumkehrpapiere oder über Zwischennegativ auf normales Colorpapier erfolgen.

Im Interesse verbesserter Bildgüte hat sich der Systemaufbau moderner Materialien für die F. laufend kompliziert. Die wichtigsten Entwicklungstendenzen sind: komplizierterer Schichtaufbau (unter anderem Schichtteilung), Einsatz hochgezüchteter Emulsionen, die im Zusammenwirken mit der Verarbeitung bei hoher Empfindlichkeit ein Bild geringer Farbkörnigkeit liefern, und Verbesserungen in den Verarbeitungsprozessen wie Verkürzung der Zugriffszeit sowie Vermeidung von Umweltbelastungen.



Farbenphotographie 1: Spektraler Verlauf der Empfindlichkeit in einem modernen Colorumkehrfilm. E relative Empfindlichkeit, λ Wellenlänge.



Farbenphotographie 2: Spektraler Verlauf der Lichtabsorption der Bildfarbstoffe in einem Colorumkehrfilm. D optische Dichte, λ Wellenlänge.

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