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Lexikon der Optik: Farbverwechslung

Farbverwechslung, Unvermögen, unterschiedliche Farben zu unterscheiden. Die Farben, die von Protanopen (Protanopie) und Deuteranopen (Deuteranopie) verwechselt werden, liegen im CIE-Farbdreieck auf den Farbverwechslungsgeraden (Abb.). Diese gelten nur für Dichromaten, die die gleiche Linsentransparenz und Makulapigmentierung wie ein normaler Trichromat aufweisen. Die individuellen Verwechslungslinien können aufgrund individueller Unterschiede der Linsentransparenz und der Makulapigmentierung gekrümmt sein. Die Makulapigmentierung kann bei einzelnen Personen so stark variieren, daß ein Deuteranoper die Farben auf den Verwechslungsgeraden eines Protanopen verwechselt. Umgekehrt vermag auch ein Protanoper die typischen Farben eines Deuteranopen zu verwechseln.

Eine hervorzuhebende Verwechslungsgerade ist die Nebenachse oder Neutralachse, die durch den Weißpunkt geht. Alle Farben auf der Neutralachse werden mit Weiß oder je nach verwendeter Lichtart mit Grau verwechselt. Der Schnittpunkt dieser Geraden mit dem Spektralfarbenzug legt den Neutralpunkt fest. Dieser entspricht der Wellenlänge im Spektrum, bei der ein Protanoper oder ein Deuteranoper die Farbempfindung Weiß hat. Normale und anomale Trichromaten benötigen zur Wahrnehmung von Weiß die Mischung aus drei Grundfarben. Der Neutralpunkt des Protanopen entspricht einer Wellenlänge von ungefähr 493 nm, der des Deuteranopen von 497 nm. Die Richtung der Neutralachse gibt an, welche Farben hauptsächlich von den Dichromaten verwechselt werden. So verwechseln Protanope vor allem Blaugrün und Rot. Deuteranope vermögen Grün und Purpurrot nicht zu unterscheiden. Senkrecht zur Nebenachse im Farbdreieck steht die Hauptachse, die die verbleibenden Farbempfindungen der Dichromaten enthält. Der Schnittpunkt beider Achsen ist unbunt. Oberhalb der Nebenachse liegen die gelben Farben, wobei die Sättigung des Gelbs zum Rand des Farbdreiecks hin zunimmt. Unterhalb der Nebenachse liegt Blau, dessen Sättigung ebenfalls um so größer wird, je weiter der Farbort vom Unbuntpunkt entfernt ist. Aus diesen beiden Farben besteht das wahrgenommene Spektrum der Dichromaten.

Protanomale und Deuteranomale verwechseln ebenfalls Farben auf den Verwechslungsgeraden, jedoch können sie Farben unterscheiden, wenn diese hinreichend weit auf den Verwechslungsgeraden auseinanderliegen. Die anomalen Trichromaten stehen in ihrer Fähigkeit, Farben unterscheiden zu können, zwischen den Dichromaten und den normalen Trichromaten.

Häufig wird bei anomalen Trichromaten die sogenannte pathologische Kontraststeigerung festgestellt. Gelb oder Weiß neben Rot wird als Grün bzw. neben Grün als Rot gesehen. Hier scheint es sich jedoch nicht um ein echtes Kontrastphänomen zu handeln, sondern um einen Kontrastirrtum, der auf Unsicherheiten im Bestimmen von Farben beruht.

Die bisher angestellten Überlegungen gelten nur für die Fovea. Wird mit sehr kleinen Testfeldern gearbeitet, so können anomale Trichromaten und Dichromaten als Monochromaten in Erscheinung treten. Bei großen Feldern werden häufig aus Dichromaten anomale Trichromaten. Bei Prüfung des Farbensehens in der Peripherie weisen selbst Farbnormale Rot-Grün-Störungen auf.



Farbverwechslung: Farbverwechslungsgeraden des Protanopen (a), Deuteranopen (b) und Tritanopen (c).

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