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Lexikon der Optik: Koronograph

Koronograph, Spezialfernrohr nach B. Lyot (1931) zur Beobachtung und Photographie der Korona bei unverfinsterter Sonne. Die Korona konnte bisher nur bei totalen Sonnenfinsternissen beobachtet werden. Im K. (Abb.) wird eine künstliche Sonnenfinsternis herbeigeführt, indem das vom Objektiv erzeugte Bild der Sonne auf eine kleine verspiegelte Kegelblende geworfen wird, deren Ausdehnung dem Durchmesser des Sonnenbildes entspricht. Das helle Bild der Sonnenscheibe wird von dieser Kegelblende an die Tubuswand derart reflektiert, daß es nicht mehr stören kann. Die Korona und Protuberanzen, die über den Rand der Sonnenscheibe hinausragen, werden noch einmal durch eine Optik abgebildet. Da die Helligkeit der Sonnenscheibe etwa das 106fache der Flächenhelligkeit der Korona beträgt, ist das Hauptproblem die Vermeidung des Streulichtes, was durch eine Reihe besonderer Vorkehrungen erreicht wird. Als Objektiv wird eine einzige Linse günstigster Form verwendet (eine chromatische Korrektion ist nicht nötig, da stets nur in einem schmalen Wellenlängenbereich gearbeitet wird). Die Linse muß völlig frei von Bläschen, Schlieren, Oberflächenunsauberkeiten wie Kratzer, Polierrisse usw. sein, und sie muß eine noch wesentlich geringere Oberflächenrauhigkeit aufweisen als normale, gut auspolierte Linsen. Das Objektiv wird durch einen langen Rohrstutzen mit einem staubbindenden Anstrich weitgehend vor Staub geschützt. Das durch Beugung an der Objektivfassung entstehende Streulicht wird durch eine Zwischenabbildung ausgeschaltet, indem das Objektiv durch eine direkt hinter der Kegelblende befindliche Feldlinse auf eine Blende abgebildet wird, die das Streulicht des Objektivrandes beseitigt. Zur vergrößerten Abbildung des Kegelblendenrandes und damit auch der Korona werden zwei Objektive benutzt, zwischen denen der Strahlengang parallel verläuft, so daß hier Interferenzfilter eingeschaltet werden können. Das durch diese Objektive erzeugte Bild kann direkt aufgenommen oder mit einem Spektrographen untersucht werden. Die Feldlinse hinter der Kegelblende läßt man rotieren, damit eventuell darauf befindliche Staubteilchen nicht mit abgebildet werden. Die Beobachtung der Korona ist nur möglich, wenn auch das atmosphärische Streulicht weitgehend herabgesetzt ist. Als Aufstellungsorte kommen deshalb nur Bergstationen mit günstigen Beobachtungsbedingungen in Frage.



Koronograph: Ausführung nach Lyot.

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