Direkt zum Inhalt

Lexikon der Optik: Netzhaut

Netzhaut, lichtempfindliches Gewebe, das die Augenwand innen auskleidet und der Umwandlung des optischen Bildes der Außenwelt in ein Erregungsmuster dient (s. Farbtafel ).

Die N. ist entwicklungsgeschichtlich ein Teil des Zwischenhirns. Die äußere Schicht, das retinale Pigmentepithel, wird von der inneren Neuroretina durch den Subretinalraum getrennt. Lediglich an der Ora serrata (Netzhauthorizont) und am Rande der Papille sind die Schichten miteinander verwachsen. Für die Anhaftung der Neuroretina sind anatomische und physikalische Faktoren verantwortlich. Das Pigmentepithel bildet Falten aus, in die die Außensegmente der Netzhautrezeptoren hineinragen (s. Farbtafel ). In den Zwischenräumen der Aderhaut herrscht ein wesentlich höherer osmotischer Druck als in der Netzhaut.

Die N. erstreckt sich von der Ora serrata nach hinten bis zur Papille. Die Mitte der Papille liegt 4 mm nasal von der Fovea. Im Zentrum der stäbchenfreien Fovea (Durchmesser 1,85 mm) liegt die Foveola (Durchmesser 0,35 mm). An die Fovea schließt sich als ein rund 0,5 mm breites Band die Parafovea an. Auf diese folgt schließlich das rund 1,5 mm breite Band der Perifovea. Diese 4 Zonen bilden in ihrer Gesamtheit die Makula.

Die Dicke der N. beträgt im Bereich der Papille 0,5 bis 0,6 mm und im Bereich der Ora serrata 0,1 mm. Jede N. besitzt rund 120 Millionen Stäbchen und ca. 5 Millionen Zapfen. Die höchste Zapfendichte liegt mit 190000 Zapfen pro mm2 in der Foveola vor. Die Gesamtzahl der Zapfen beträgt hier rund 3500 Zellen. Die Fovea enthält rund 100000 Zapfen pro mm2. In der Peripherie beträgt die Zapfendichte rund 5000 Zapfen pro mm2. Stäbchen treten erstmals rund 130 μm außerhalb der Foveola auf. Ihre maximale Dichte erreichen sie mit 160000 Stäbchen pro mm2 in einem Abstand von 2,5 bis 3 mm von der Foveola. In der Peripherie beträgt die Stäbchendichte maximal 50000 Zellen pro mm2.

Zapfen und Stäbchen stellen zwei getrennte Systeme dar (Abb.), zwischen denen es jedoch auf verschiedenen Verarbeitungsstufen des visuellen Systems zu Kopplungen kommt. Die Erregungen beider Systeme werden über die gleichen anatomischen Strukturen weitergeleitet.

Das retinale Pigmentepithel weist 4 bis 6,5 Millionen Zellen auf. Es ist maßgeblich an der Erneuerung der Rezeptoren beteiligt. Es speichert Vitamin A und wirkt bei der Synthese der Photopigmente der Rezeptoren mit. Die Zellen enthalten Melanin, das der Beseitigung freier Radikale dient und Streulicht verhindert, indem es das von der Sklera zurückgestreute Licht absorbiert.

Die Neuroretina besteht aus 3 Arten von Neuronen. Photorezeptoren und Bipolarzellen bilden in der äußeren plexiformen Schicht Synapsen. Die Bipolarzellen bilden mit den Ganglienzellen Synapsen in der inneren plexiformen Schicht. Im Bereich der Fovea sind die Ganglienzellen zur Seite verlagert, um den direkten Zugang des Lichtes zu den Rezeptoren zu gewährleisten. Bipolarzellen stehen weiterhin in Kontakt mit den Horizontalzellen und Amakrinzellen.

Das Zapfensystem verfügt über 2 Typen von Bipolarzellen. Die ON-Bipolarzellen reagieren, wenn Licht die Zapfen erregt. Die OFF-Bipolarzellen reagieren auf Dunkelheit. Das Stäbchensystem verfügt nur über ON-Bipolarzellen, die auf Licht reagieren. Im Gegensatz zu den Zapfen-Bipolarzellen sind die Stäbchen-Bipolarzellen nicht mit Ganglienzellen, sondern mit den Amakrinzellen verschaltet. Letztere sind wiederum mit den Zapfen-Bipolarzellen verknüpft.

Horizontalzellen spielen für die Wechselwirkungen zwischen den Rezeptoren eine Rolle.

Zwischen den Neuronen der Netzhaut befinden sich Astrozyten und Müllersche Gliazellen. Diese durchsetzen die gesamte N. und bilden an der inneren Seite der N. die innere Grenzmembran (Lamina limitans interna). Diese Zellen füllen die Zwischenräume zwischen den Neuronen aus, so daß sie einerseits der mechanischen Stabilität der N. dienen und andererseits die Entstehung von Streulicht verhindern. Weiterhin sind sie an der Regulation des pH-Wertes sowie der Ionen- und Neurotransmitter in der N. beteiligt.

Die Axone der Ganglienzellen laufen zur Papille, wo sie gebündelt werden und in ihrer Gesamtheit den Sehnerv bilden. Die Papille hat einen vertikalen Durchmesser von 1,86±0,21 mm und einen horizontalen Durchmesser von 1,75±0,19 mm. Sie liegt 27 mm hinter dem nasalen Limbus und 31 mm hinter dem temporalen Limbus. Mehr als 90% der Fasern des Sehnervs sind einem Netzhautbereich bis zu einer Exzentrizität von 25° zugeordnet. An der Papille liegen rund 1,2 Millionen Nervenfasern des Sehnervs vor.



Netzhaut: Schematischer Aufbau der Netzhaut. R Stäbchen, C Zapfen, B Bipolarzellen, H Horizontalzellen, IP interplexiforme Zellen, A Amakrinzellen, G Ganglienzellen (rezeptives Feld).

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren
Roland Barth, Jena
Dr. Artur Bärwolff, Berlin
Dr. Lothar Bauch, Frankfurt / Oder
Hans G. Beck, Jena
Joachim Bergner, Jena
Dr. Andreas Berke, Köln
Dr. Hermann Besen, Jena
Prof. Dr. Jürgen Beuthan, Berlin
Dr. Andreas Bode, Planegg
Prof. Dr. Joachim Bohm, Berlin
Prof. Dr. Witlof Brunner, Zeuthen
Dr. Eberhard Dietzsch, Jena
Kurt Enz, Berlin
Prof. Joachim Epperlein, Wilkau-Haßlau
Prof. Dr. Heinz Falk, Kleve
Dr. Wieland Feist, Jena
Dr. Peter Fichtner, Jena
Dr. Ficker, Karlsfeld
Dr. Peter Glas, Berlin
Dr. Hartmut Gunkel, Berlin
Dr. Reiner Güther, Berlin
Dr. Volker Guyenot, Jena
Dr. Hacker, Jena
Dipl.-Phys. Jürgen Heise, Jena
Dr. Erwin Hoffmann, Berlin (Adlershof)
Dr. Kuno Hoffmann, Berlin
Prof. Dr. Christian Hofmann, Jena
Wolfgang Högner, Tautenburg
Dipl.-Ing. Richard Hummel, Radebeul
Dr. Hans-Jürgen Jüpner, Berlin
Prof. Dr. W. Karthe, Jena
Dr. Siegfried Kessler, Jena
Dr. Horst König, Berlin
Prof. Dr. Sigurd Kusch, Berlin
Dr. Heiner Lammert, Mahlau
Dr. Albrecht Lau, Berlin
Dr. Kurt Lenz, Berlin
Dr. Christoph Ludwig, Hermsdorf (Thüringen)
Rolf Märtin, Jena
Ulrich Maxam, Rostock
Olaf Minet, Berlin
Dr. Robert Müller, Berlin
Prof. Dr. Gerhard Müller, Berlin
Günter Osten, Jena
Prof. Dr. Harry Paul, Zeuthen
Prof. Dr. Wolfgang Radloff, Berlin
Prof Dr. Karl Regensburger, Dresden
Dr. Werner Reichel, Jena
Rolf Riekher, Berlin
Dr. Horst Riesenberg, Jena
Dr. Rolf Röseler, Berlin
Günther Schmuhl, Rathenow
Dr. Günter Schulz, Berlin
Prof. Dr. Johannes Schwider, Erlangen
Dr. Reiner Spolaczyk, Hamburg
Prof. Dr. Peter Süptitz, Berlin
Dr. Johannes Tilch, Berlin (Adlershof)
Dr. Joachim Tilgner, Berlin
Dr. Joachim Träger, Berlin (Waldesruh)
Dr. Bernd Weidner, Berlin
Ernst Werner, Jena
Prof. Dr. Ludwig Wieczorek, Berlin
Wolfgang Wilhelmi, Berlin
Olaf Ziemann, Berlin


Partnerinhalte