Direkt zum Inhalt

Lexikon der Optik: photochrome Gläser

photochrome Gläser, Gläser, die unter der Einwirkung von UV-Strahlung ihre spektrale Transmission im sichtbaren Bereich reversibel ändern. Es erfolgt eine rasche Eindunklung bis zu einem Sättigungswert, der so lange erhalten bleibt, wie sich die Intensität der Anregungsstrahlung nicht ändert. Nach Ende der Strahlungseinwirkung hellt das Glas langsam wieder auf mit asymptotischer Annäherung an seinen Ausgangszustand hoher Transmission. Der Grad der Eindunklung und die Geschwindigkeit der Wiederaufhellung eines gegebenen p.G. sind abhängig von der Intensität und der Schwerpunktwellenlänge der Anregungsstrahlung, von der Umgebungstemperatur und im allgemeinen von der Glasdicke. Unter gleichen Bedingungen ist der Vorgang streng reproduzierbar und beliebig oft wiederholbar. Der Aufhellungsvorgang verläuft unter dem Einfluß langwelliger Strahlung oder unter Wärmeeinfluß beschleunigt (optisches bzw. thermisches Bleichen).

Photochromes Verhalten (auch als Phototropie bezeichnet) zeigen Spezialgläser, die als Aktivatoren Silberhalogenide (AgCl, AgBr) in bestimmter Konzentration sowie Sensibilisatoren enthalten und zur Ausbildung des photochromen Effektes einem Temperprozeß unterworfen werden. In einem diffusionsgesteuerten Ausscheidungsvorgang entstehen und wachsen dabei kleinste mit den Aktivatoren angereicherte Kristalle im Glas. Sie sind die Träger des photochromen Effektes. Ähnlich dem photographischen Elementarprozeß läuft bei UV-Bestrahlung in ihnen ein komplizierter photochemischer Prozeß ab, der zur Bildung von kolloidalem Silber führt, welches die Schwärzung des Glases hervorruft. Im Unterschied zum irreversiblen photographischen Elementarprozeß finden hier aber durch das in den Kristallen verbleibende Halogen gleichzeitig Rückreaktionen zum farblosen Silberhalogenid gemäß folgendem vereinfachten Schema statt:


(hν Energie eines Photons). Der Prozeß der Silberkolloidbildung und der der Rekombination zu Silberhalogenid stehen in einem dynamischen Gleichgewicht. Dadurch wird der photochrome Effekt in Gläsern reversibel.

Breite Anwendung haben p. G. als Sonnenschutz-Brillengläser gefunden (Blendschutzwirkung). Als Korrekturgläser sind sie im Dioptrienbereich zwischen -6 und +6 bei Einhaltung einer Mindestdicke von etwa 2 mm herstellbar, ohne daß in der Praxis der Einfluß der Schichtdicke auf den Eindunklungsgrad merklich wird.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren
Roland Barth, Jena
Dr. Artur Bärwolff, Berlin
Dr. Lothar Bauch, Frankfurt / Oder
Hans G. Beck, Jena
Joachim Bergner, Jena
Dr. Andreas Berke, Köln
Dr. Hermann Besen, Jena
Prof. Dr. Jürgen Beuthan, Berlin
Dr. Andreas Bode, Planegg
Prof. Dr. Joachim Bohm, Berlin
Prof. Dr. Witlof Brunner, Zeuthen
Dr. Eberhard Dietzsch, Jena
Kurt Enz, Berlin
Prof. Joachim Epperlein, Wilkau-Haßlau
Prof. Dr. Heinz Falk, Kleve
Dr. Wieland Feist, Jena
Dr. Peter Fichtner, Jena
Dr. Ficker, Karlsfeld
Dr. Peter Glas, Berlin
Dr. Hartmut Gunkel, Berlin
Dr. Reiner Güther, Berlin
Dr. Volker Guyenot, Jena
Dr. Hacker, Jena
Dipl.-Phys. Jürgen Heise, Jena
Dr. Erwin Hoffmann, Berlin (Adlershof)
Dr. Kuno Hoffmann, Berlin
Prof. Dr. Christian Hofmann, Jena
Wolfgang Högner, Tautenburg
Dipl.-Ing. Richard Hummel, Radebeul
Dr. Hans-Jürgen Jüpner, Berlin
Prof. Dr. W. Karthe, Jena
Dr. Siegfried Kessler, Jena
Dr. Horst König, Berlin
Prof. Dr. Sigurd Kusch, Berlin
Dr. Heiner Lammert, Mahlau
Dr. Albrecht Lau, Berlin
Dr. Kurt Lenz, Berlin
Dr. Christoph Ludwig, Hermsdorf (Thüringen)
Rolf Märtin, Jena
Ulrich Maxam, Rostock
Olaf Minet, Berlin
Dr. Robert Müller, Berlin
Prof. Dr. Gerhard Müller, Berlin
Günter Osten, Jena
Prof. Dr. Harry Paul, Zeuthen
Prof. Dr. Wolfgang Radloff, Berlin
Prof Dr. Karl Regensburger, Dresden
Dr. Werner Reichel, Jena
Rolf Riekher, Berlin
Dr. Horst Riesenberg, Jena
Dr. Rolf Röseler, Berlin
Günther Schmuhl, Rathenow
Dr. Günter Schulz, Berlin
Prof. Dr. Johannes Schwider, Erlangen
Dr. Reiner Spolaczyk, Hamburg
Prof. Dr. Peter Süptitz, Berlin
Dr. Johannes Tilch, Berlin (Adlershof)
Dr. Joachim Tilgner, Berlin
Dr. Joachim Träger, Berlin (Waldesruh)
Dr. Bernd Weidner, Berlin
Ernst Werner, Jena
Prof. Dr. Ludwig Wieczorek, Berlin
Wolfgang Wilhelmi, Berlin
Olaf Ziemann, Berlin


Partnerinhalte