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Metzler Lexikon Philosophie: Glaube

begegnet in der Sprache der alltäglichen Lebenswelt in der Bedeutung von Vermutung oder Annahme ohne sicheres Wissen. Auf dieser Ebene ist G. mit Meinung verwandt, in der etwas subjektiv ohne verallgemeinerungsfähige Begründung für wahr gehalten wird. Von G. sprechen wir auch, wenn wir etwas aufgrund der Aussagen anderer für wahr halten, ohne selbst hinreichende Einsicht in den Sachverhalt zu besitzen. So sind wir z.B. nicht in der Lage, alle heute zur Verfügung stehenden Wissensdaten zu überprüfen. Wir halten viele von ihnen dennoch für wahr, weil sie uns durch andere, oft über mehrere Vermittlungsstufen hinweg, bekannt geworden sind. Ebenso steht es im Bereich der Informationen durch die Medien, Auskünfte über alltägliche Angelegenheiten oder Berichte hinsichtlich des Verhaltens anderer Menschen. Das meiste davon können wir selber nicht nachprüfen, sondern nur durch G. an ihm teilhaben. Er erweist sich somit als ein soziales Phänomen von großer Tragweite, als Vollzugsform von Interpersonalität, also dem, was zwischen Menschen geschieht. – G. bezieht sich in diesen Fällen nicht nur auf das, was wir für wahr halten, sondern auch auf die Person, welcher wir glauben, weil wir sie wegen ihres Wissens, ihrer moralischen Integrität oder auch ihres persönlichen positiven Verhältnisses zu uns für vertrauenswürdig halten. Dem Für-wahr-Halten liegt eine Erkenntnis der anderen Person zugrunde. Je tiefer und zutreffender sie ist, umso unerschütterlicher ist unser G. an die betreffende Person und die durch sie vermittelten Einsichten. Umso größer wird freilich auch unsere Enttäuschung sein, wenn wir uns in diesem G.n getäuscht haben oder getäuscht worden sind. Das alles ist wichtig für das in der Philosophie- und Theologiegeschichte häufig diskutierte Problem des Verhältnisses von G. und Wissen. Es zeigt sich, dass beide einander nicht fremd gegenüberstehen. Denn jeder verantwortbare Akt des G.ns muss ein Moment der Erkenntnis einer anderen Person enthalten. Sie stellt ein Wissen dar, wenn wir Wissen nicht auf das wissenschaftlich-methodisch gewonnene Wissen begrifflich einschränken.

Diese anthropologisch-sozialphilosophischen Voraussetzungen müssen bei der Diskussion des theologischen Verständnisses von G. beachtet werden. Denn G. im biblischen Sinne muss als Vertrauensverhältnis zu dem als vertrauenswürdig und in diesem Sinne treuen Gott und seinen Zeugen (Mose, die Propheten, Jesus Christus) verstanden werden. Der G. als vertrauendes Verhältnis zu dem, was der Mensch von sich aus nicht sieht und doch für wahr hält, richtet sich vor allem auf die in der Zukunft noch einzulösenden Verheißungen Gottes. Bei den zentral auf Christus als die Offenbarung Gottes bezogenen Aussagen des G.ns werden die Glaubensgehalte mit der sich mitteilenden Person identisch, so dass G. als interpersonale Beziehung besonders deutlich hervortritt. – Philosophischer G. bezeichnet bei Jaspers das Sich-Verwurzeln des Menschen in der durch kein gegenständliches Wissen festzumachenden Transzendenz des schlechthin umgreifenden Seins. Zu ihm gelangt der G. angesichts von Grenzsituationen wie Kampf, Schuld, Leiden und Tod. Um die dem Verstand unzugänglichen metaphysischen und theologischen Gegenstände geht es auch in F. H. Jacobis Glaubensphilosophie. Hier werden allerdings G. und Gefühl als Zugang zum Göttlichen so identifiziert, dass die Glaubensphilosophie auch Gefühlsphilosophie genannt wird.

Literatur:

  • A. Brunner: Glaube und Erkenntnis. München 1951
  • K. Jaspers: Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung. München 21963
  • W. Lohff: Glaube. In: HWPh Bd. 3. Sp. 627–646.

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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