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Metzler Lexikon Philosophie: Hermeneutische Logik

H.L. ist nicht eine Teildisziplin der Logik, die mit hermeneutischen Methoden arbeitet, sondern sie ist eine Theorie der Logik und zugleich eine Theorie der Selbstauslegung des menschlichen Lebens. Sie ist eine hermeneutische Philosophie, die das Logische in seiner ganzen Weite zum Thema hat und in enger Verbindung zur Sprachphilosophie steht. H. L. hat sich um die Wende vom 19. zum 20. Jh. auf dem Boden der Philosophien Diltheys, P. Yorck von Wartenburgs und Heideggers entwickelt. Der Begriff h.L. ist v.a. verbunden mit den Namen G. Misch, H. Lipps sowie J. König und O. F. Bollnow. H. L. ist Kritik an der traditionellen logischen Formenlehre und unternimmt den Versuch, die logischen Elemente, Begriff, Urteil, Schluss, sowie die Denkgesetze an deren Ursprung im menschlichen Verstehen, Ausdrucks- und Sprachverhalten zurückzubinden. Sie will den Primat der reinen Theorie in der Logik brechen, indem sie die Genese logischer Phänomene lebensweltlich und umgangssprachlich aufzeigt und deutlich macht, dass das Logische etwas ist, was wir schon immer, vor aller Wissenschaft, handhaben. Neben einer lebens- oder existenzphilosophisch-phänomenologischen Neufundierung der Logik will h.L. das Logische nicht auf das Denken im engeren Sinne, Denken = Urteilen, begrenzt wissen, sondern sie strebt eine Erweiterung des Bereichs der Logik um vor- und überdiskursive Formen der Sinnartikulation an; d.h., dass z.B. das dichterische, metaphorische, symbolische Sprechen Eingang in die Logik finden soll. Insofern h.L. alle Arten von Wissen, die zugehörigen unterschiedlichen Erkenntniswege sowie die verschiedenen Modi von Wahrheit thematisiert, versteht sie sich als Theorie des Wissens, die auch den Gegensatz von Natur- und Geisteswissenschaften in sich aufhebt. Als erster hat vermutlich 1916/18 der russische Philosoph G. Spet den Begriff h.L. verwendet (Die Geschichte als Problem der Logik und Die Hermeneutik und ihre Probleme), die er bisweilen auch als semasiologische Logik bezeichnet. G. Misch gebraucht neben dem Begriff h.L. die Ausdrücke Lebenslogik, Ausdruckslogik und lebensphilosophische Logik. Er charakterisiert sie als eine transzendentale Logik, ebenso wie H. Lipps.

Literatur:

  • O. F. Bollnow: Zum Begriff der hermeneutischen Logik. In: H. Delius, G. Patzig (Hg.): Festschrift für Josef König. Göttingen 1964. S. 20–42
  • G. Kühne-Bertram: Logik als Philosophie des Logos. In: Archiv für Begriffsgeschichte 36 (1993). S. 260–293
  • H. Lipps: Untersuchungen zu einer hermeneutischen Logik (1938). Werke. Bd. 2. Frankfurt 41976
  • G. Misch: Der Aufbau der Logik auf dem Boden der Philosophie des Lebens. Hg. v. G. Kühne-Bertram, F. Rodi. Freiburg/München 1994
  • Ders.: Logik und Einführung in die Grundlagen des Wissens. Hg. v. G. Kühne-Bertram. Sofia 1999
  • F. Rodi: Hermeneutische Logik im Umfeld der Phänomenologie: Georg Misch, Hans Lipps, Gustav Spet. In: Ders.: Erkenntnis des Erkannten. Frankfurt 1990. S. 147–167.

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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