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Metzler Lexikon Philosophie: Herr und Knecht

bezeichnet als Reflexionsfigur das Verhältnis zweier Subjekte zueinander sowie die Formen und Austauschprozesse, die es vermitteln und befestigen. An der zunehmenden Aufmerksamkeit für diesen Vermittlungsprozess lässt sich die Wendung von der idealistischen zur materialistischen und handlungsorientierten Philosophie ablesen. Sie findet ihr Pendant in einer starken literarischen Verarbeitung von Diderot über Beaumarchais bis zu Brecht und Beckett, die in enger Wechselwirkung mit der philosophischen Theorie steht. – Rubrizierte Leibniz 1678 in De iure et iustitia H.u.K. noch unter den »natürlichen Gemeinschaften«, bei denen der Verstand des Herrn mit der Kraft des Knechts in ein für beide nützliches Verhältnis tritt, so hebt Hegel die Bedeutung der praktischen Aneignung der Realität durch den Knecht hervor: »Die Wahrheit des selbständigen Bewußtseins ist demnach das knechtische Bewußtsein« (Ges. Werke, Bd. 3, S. 152). Der Herr dagegen bezieht sich nur »mittelbar durch den Knecht auf das Ding« (5.151). Hegels Dialektik der Bewusstseinsformen erhält seit der Mitte des 19. Jh. bei Feuerbach und Marx politisch-revolutionäre Akzente. Im 20. Jh. greifen Bloch und Lukács, vor allem aber Marcuse die Verdinglichung als zentrales Motiv im Verhältnis von H.u.K. und als Motor emanzipatorischer Praxis auf. Dagegen werden seine resignativen und autoritären Züge zum Objekt der Ideologiekritik.

Literatur:

  • E. Bloch: Subjekt – Objekt. Frankfurt 1962
  • H. H. Holz: Herr und Knecht bei Leibniz und Hegel. Neuwied 1968
  • G. Lukács: Der junge Hegel. Neuwied 1967
  • H. Marcuse: Vernunft und Revolution. Neuwied 1962
  • H. Mayer: Herrschaft und Knechtschaft. In: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft 15 (1971). S. 251–279
  • H. Zwahr: »Herr und Knecht«. Figurenpaare in der Geschichte. Leipzig/Jena/Berlin 1990.

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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