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Metzler Lexikon Philosophie: Lumen naturale

versinnbildlicht das Medium des unmittelbaren Erkennens eines Gegenstandes als an sich selbst evident. Mit der Benennung eines tätigen Vernunftvermögens, das, wie das Licht die Farben sichtbar, die intelligiblen Formen erkennbar werden lasse, hatte Aristoteles den begrifflichen Rahmen gegeben; der Terminus findet sich jedoch erst bei Cicero. Er nennt den intrinsischen Ermöglichungsgrund des Sittlichen »naturae lumen« (Tusculanae disputationes, III, 2, 1), d.h. Teil des im Geist keimhaft angelegten apriorischen Wissens (notio; vgl. De finibus bonorum et malorum, V, 21, 59). Zum einen brachte die sukzessive Überhöhung der Metaphorik zur Lichtmetaphysik seit Alexander v. Aphrodisias eine monopsychistische Interpretation des Intellectus agens mit sich, andererseits wurde die Illuminationslehre Augustins im MA. zur vorherrschenden Erkenntnismetaphysik (Augustinismus), der zufolge jegliche Erkenntnis der göttlichen Erleuchtung bedarf. Bedingt durch die Rezeption des Aristoteles sowie seiner arabischen Kommentatoren im 13. Jh. hielt Albert d. Gr. zwar noch an einer bloß prozessualen Angleichung von intellectus agens und intellectus possibilis fest, die ersten Axiome jedoch fasste er als der Seele von Natur aus inhärierend auf (vgl. De anima III, tr. 3, c. 11). Erst Thomas von Aquin versteht den intellectus agens als »lumen intellectus agentis« im Sinne eines eingeborenen, apriorisch-konstitutiven Erkenntnisprinzips, das jedoch originaliter von Gott abstammt, als »aliquid animae« aber nur ein Akzidens der Seele ist (De veritate 18, 1, 10; S. th. I, q. 79, a.4, resp.). Innerhalb der thomistischen Abstraktionstheorie kommt dem l.n. eine apriorische Erkenntnis des »ens commune« zu, wodurch die Abstraktion der Species intelligibilis durch den Intellekt überhaupt erst grundgelegt wird. Jedoch bleibt das l.n. auch bei Thomas dem lumen fidei, durch das die von Gott in einem Akt der Gnade geoffenbarten übernatürlichen Wahrheiten erkannt werden, komplementär. – Neben der Wiederaufnahme der Ciceronischen Konzeption in der Reformation durch Melanchthon (Corpus Reformatorum XIII, 647–47) erfährt das l.n. insbesondere bei Descartes eine neue Wendung: Gerade in der Beschränkung auf das l.n. als dem einzig gültigen Erkenntniskriterium darüber, was vermöge der Intuition Clare et distincte erfasst werden kann (Œuvre X, 368; 440; VII, 59–60), liegt eine Aufwertung der Selbsttätigkeit der menschlichen Vernunft.

Literatur:

  • H. Blumenberg: Licht als Metapher der Wahrheit. In: Studium Generale 10 (1957). S. 432–447
  • L. Oeing-Hanhoff: Wesen und Formen der Abstraktion nach Thomas von Aquin. In: Philos. Jb. 71 (1963/64). S. 14–37.

OB

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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