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Metzler Lexikon Philosophie: Luxus

(griech. tryphe, lat. luxus, luxuria), bedeutet üppige Fruchtbarkeit, verschwenderischer Aufwand, Schlemmerei, Ausschweifung und Überschreiten der allg. anerkannten Norm. Der ideengeschichtliche Hintergrund einer Vielzahl von Luxuskonzeptionen umfasst moralische, religiöse, soziale, ökonomische und politische Vorstellungen in einer vagen, oft widersprüchlichen Mischung. Wegen seiner inhaltlichen Relativität in Abhängigkeit vom historischen und kulturell-geographischen Kontext entzieht sich der Luxusbegriff exakten Definitionen. – In der Antike und im MA. herrscht die negative moralische Bewertung des L. vor: Im Alten Testament gilt L. als sündhafter Ungehorsam gegen Gott. Für Platon, Aristoteles, die Kyniker und die Stoiker stellt er die wichtigste Verletzung der Natur und der Vernunft dar und widerspricht dem Ideal des einfachen Lebens. Die römischen Historiker sehen im L. den ersten Faktor zur Auflösung der Republik, der Verweichlichung und Sittenlosigkeit des Volkes. Die Kirchenväter betrachten L. als Sünde und nutzlose Liebe zu einer verdorbenen Welt. In ethischen Systemen gilt L. als Index für menschliche Sündigkeit und moralische oder intellektuelle Unzulänglichkeit, die innere Regeneration oder Selbstaufgabe erfordern, in sozialen Systemen als Chaos und Irrationalität in den Abläufen der öffentlichen Angelegenheiten. Daraus entspringt die Forderung nach Ordnung, Disziplin, Autorität und Hierarchie, nach individueller Selbstaufopferung. Als fundamentales generisches Laster erscheint L. als Ansteckung, welche die Korruption weiter verbreitet. L. erklärt auch Unglück und Katastrophen, die durch Erregung göttlichen Zornes entstehen, und er enthüllt die Geschichte einer Spaltung der Menschen in tugendhafte und luxuriöse. Im 17. Jh. divergieren die Bewertungen des L. aus moralischer und ökonomischer Perspektive; zunehmend wird er akzeptiert wegen der positiven Auswirkungen auf gesellschaftliche Probleme wie Armut und Arbeitslosigkeit. Verteidiger des L. ist neben Bayle vor allem Mandeville, dem der L. zur Erläuterung der These dient, dass private Laster zu öffentlichen Vorteilen führen können. Dem L.-Begriff kommt nach Mandeville eine Relativität hinsichtlich der Extension zu: Entweder ist alles L., was das für die Subsistenz Notwendige übersteigt, oder es gibt keinen L. bzw. der Begriff ist leer, da sich unzählbare Bedürfnisse auf verschiedenste Arten befriedigen lassen und somit alles zu rechtfertigen ist. Die Aufklärung betont die Herrschaft der Vernunft auch über den L. und die Verknüpfung von Kulturentwicklung mit seinen zivilisierten Formen. Kant differenziert später zwischen Üppigkeit (luxus) als »Übermaß des gesellschaftlichen Wohllebens mit Geschmack in einem gemeinen Wesen« und Schwelgerei (luxuries) als demselben »Übermaß, aber ohne Geschmack«. Im 19. Jh. bleibt es strittig, ob L. ökonomisch vorteilhaft oder nutzlose Vergeudung sei. J.B. Says ökonomisch definierter L.-Begriff verlässt den Kreislauf von Produktion und Konsumtion und hängt nicht mehr von Bedürfnissen und ihren Befriedigungsmöglichkeiten ab, sondern von subjektiver Wertschätzung. Im 20. Jh. stellt Sombart L. und sparsame Güterakkumulation als Alternativen im Umgang mit Sinnlichkeit dar. L. erscheint wieder als Ausschweifung in der Befriedigung sinnlicher Bedürfnisse.

DGR

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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