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Metzler Lexikon Philosophie: Modell

Der Terminus spielt in unterschiedlichen Kontexten eine Rolle: (1) als Bezeichnung für eine darstellende Annäherung an die Wirklichkeit, in dem nur gewisse Aspekte, d.h. die als wesentlich erachteten Phänomene, dieser abgebildeten Wirklichkeit berücksichtigt werden; (2) als bildliche Darstellung: entweder um irgendwelche anschaulich nicht zugänglichen Phänomene zu veranschaulichen oder als sichtbarer Ausdruck einer gedanklichen Konstruktion und zugleich als Anweisung für die Erklärung von Gegenständen. Die theoretischen Beschreibungsmodelle (z.B. als mathematische, physikalische, mechanische M.e) fungieren als Regel für die Beschreibung oder Erklärung von in Frage stehenden Tatsachen, z.B. die Abbildung eines physikalischen Sachverhalts in einer mathematischen Darstellung. (3) Das M. als heuristische Hypothese beschreibt die Verhältnisse in einem Bereich in Analogie zu Verhältnissen eines anderen wohlbekannten Bereichs. (4) In der formalen Logik und logischen Semantik: Als M. wird ein System aus Bereichen und Begriffen bezeichnet, insofern es die Axiome einer passend formulierten Theorie erfüllt (Tarski). Die Sprache dieser Theorie muss dafür die mit Bereichen und Begriffen zu interpretierenden Grundsymbole enthalten, die durch die Interpretation zu sogenannten Grundbegriffen werden: Eine Interpretation I eines Ausdrucks A einer formalen Sprache wird genau dann als »Modell von A« bezeichnet, wenn der Ausdruck A bei dieser Interpretation ein wahrer Satz wird. (5) Die Modelltheorie behandelt die Beziehung zwischen (mehreren) Strukturen, die (im Allgemeinen) durch gleiche Grundbegriffe und Axiome zusammengehören. (6) Das M. einer modallogischen Sprache umfasst drei Komponenten: (a) eine Klasse von möglichen Welten, (b) die Zugänglichkeitsrelation zwischen möglichen Welten, (c) eine Bewertungsfunktion, die jedem Paar aus einer atomaren Aussage und einer möglichen Welt einen Wahrheitswert zuweist, d.h. bestimmt, ob die betreffende Aussage in dieser möglichen Welt wahr oder falsch ist. – Für die Linguistik bietet diese Begriffsbildung die Möglichkeit, den nicht unmittelbar auf die wirkliche Welt bezogenen Gebrauch der Sprache, also fiktionale und kontrafaktische Sätze, die nicht in der wirklichen Welt wahr sind, zu erklären.

Literatur:

  • G. Hasenjaeger: Modell, Modelltheorie. In: HWPh. Bd.6. Sp. 50 ff
  • F. Kaulbach: Modell. In: HWPh. Bd. 6. Sp. 45 ff.

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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