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Metzler Lexikon Philosophie: Nominalismus

(lat. nomen und seit dem 12. Jh.: nominales), bezeichnet die Lehre, dass nur Einzeldinge existieren und jede Annahme einer allgemeinen Natur, die auf einem realen Fundament in den Dingen beruhen soll, ungegründet ist. Unsere Allgemeinbegriffe entsprechen keinem allgemeinen Wesen von von uns unabhängigen Dingen. Die Erkenntnisrelation wird als unmittelbar vorgestellt, wie es auch der Lehre Duns Scotus’ und Ockhams von der intuitiven Erkenntnis entspricht. Zu unterscheiden sind ein »starker N.«, für den die Annahme von Universalien gänzlich unhaltbar ist, der Konzeptualismus, für den diese nicht bewusstseinsunabhängig sein können, und der Terminismus, für den es Universalien nur in Verbindung mit Worten gibt. Alle Versionen des N. haben zum Gegensatz den Platonismus bzw. Universalienrealismus. Am häufigsten in der Antike und im MA. ist die zweite Version, die vielleicht bei Aristoteles, bei den Stoikern sowie bei Abelard, Ockham, Leibniz und Locke zu finden ist. Ockham insbesondere verband den N. mit einer kausalen Vorstellung des Zusammenhangs zwischen Objekt und Erkenntnis. Den Terminismus vertritt z.B. in der Frühscholastik der aus theologischen Gründen von Anselm kritisierte Roscelin (der den Allgemeinbegriff als »flatus vocis« bezeichnet haben soll). In der Neuzeit heißt es ähnlich bei Hobbes, es gebe nichts Universales in der Welt außer Namen, wobei die von diesen benannten Dinge allesamt individuell und einzeln seien (vgl. Leviathan Kap. 4). – Ein starker N. findet sich bei Berkeley sowie bei Brentano oder in Kontarbinskis Reismus und in jüngster Zeit bei H. Field. In diesem Jahrhundert hat die Diskussion um den N. wesentlich im Zusammenhang der Frage nach der Existenz abstrakter (z.B. mathematischer) Objekte stattgefunden. Mit den Universalien fallen auch Mengen oder Zahlen als Gegenstände hinweg (vgl. Goodman und Quine 1947, die nur Individuen als Werte für Variablen zulassen, nicht aber Mengen oder Attribute). Auch wurde versucht, die Mengenlehre nominalistisch mit Hilfe der Mereologie zu rekonstruieren (Lesniewski). Nominalistische Varianten, die abstrakte Objekte gemeinhin betreffen, sind Formalismus, Fiktionalismus (Field) sowie Konstruktivismus (Brouwer, schwacher N.).

Literatur:

  • D.M. Armstrong: Nominalism and Realism. Cambridge 1978
  • R.E. Eberle: Nominalistic Systems. Dordrecht 1970
  • H. Field: Science without Numbers. Oxford 1980
  • N. Goodman/W.V.O. Quine: Steps towards a Constructive Nominalism. In: Journal of Symbolic Logic 12 (1947). S. 105–122
  • E.C. Luschei: The logical systems of Lesniewski. Amsterdam 1962
  • J. Pinborg: Logik und Semantik im Mittelalter. Stuttgart-Bad Cannstatt 1972
  • W. Stegmüller: Das Universalienproblem. Darmstadt 1978.

WH

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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