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Metzler Lexikon Philosophie: Postmoderne, Postmodernismus

fasst eine Reihe von Positionen in der Philosophie zusammen, deren wesentliche Gemeinsamkeit in der Kritik an den Paradigmen der Moderne liegt, an deren »grands récits« (»große Erzählungen«), seien es Rationalismus oder Humanismus, seien es Christentum, Marxismus oder gar Nationalismus, seien es Kapitalismus oder Technokratie: nicht nur Skepsis sei ihren Beschreibungen und Erklärungen gegenüber angebracht, auch ihre Ansprüche erscheinen inakzeptabel, ihre Versprechen unattraktiv; auch alle Begriffe, die das Denken in der Moderne geprägt haben (»Einheit«, »Wahrheit«, »Wissenschaft«, »Begriff«, »Sinn«) verfallen dem postmodernen Verdikt, universalistisch und totalitär zu sein. Die neuzeitliche Wissenschaft und Politik beruhte auf dem Ausschluss von Heterogenität und der Reduktion auf abstrakte Identitäten – der Dinge nicht anders als der Menschen. Stattdessen setzt das postmoderne Denken auf Vielfalt, Schein, Kunst, Metapher, Form, Körper, Zufall und Spiel: postmoderne Philosophie versucht die Ideologien zu verabschieden (deren realen Niedergang nach mehr oder weniger katastrophischen Erfahrungen sie teilweise nur zu konstatieren hat) und dagegen eine radikale Pluralität zu exponieren, sowie die Möglichkeiten eines neuen Wissens und einer neuen Gerechtigkeit unter den Bedingungen irreduzibler Heterogenität und radikaler Inkommensurabilität zu reflektieren.

Jean-François Lyotard hat den Begriff der »P.« in die philosophische Diskussion 1979 in seiner Schrift La condition postmoderne (dt. Das postmoderne Wissen) eingeführt, nachdem »P.« als deutlich konturierter Begriff sich bereits nach 1959 in der amerikanischen Kunst- und Literaturkritik (bei Leslie Fiedler oder Susan Sontag) herausgebildet hatte und von dort in die Architekturtheorie (bei Charles Jencks und Robert Stern) übernommen worden war. In beiden Diskursen war der Begriff zunächst einfach die Formel für einen Rückfall hinter die Ideale der Moderne – danach wandelte sich »P.« aber zur Forderung nach einer neuen Form der Literatur oder Kunst, die wesentlich die Kluft zwischen elitärer und populärer Kultur zu überbrücken habe, nicht durch Aufgabe der Moderne, sondern durch ihre Aufhebung in einer Pluralität von Verfahren, in einer Kombination verschiedener Sprachen. Dieses Konzept bedeutet einerseits ein Ende der Moderne, andererseits ihre ironische Fortsetzung, so dass »P.« sowohl eine neue Epoche wie eine Geisteshaltung (wie bei Lyotard) bezeichnen kann; so kann denn Lyotard bereits bei Aristoteles postmoderne Ansätze finden (z.B. in dessen Kritik an »modernen«, also elitären und universalistischen Tendenzen der platonischen Philosophie), wie die Literaturwissenschaft postmoderne Strategien bereits bei Rabelais oder Sterne konstatiert. – Zu den namhaften Vertretern der postmodernen Philosophie können neben Lyotard auch Gianni Vattimo, Michel Foucault, Gilles Deleuze, Jacques Derrida und Jean Baudrillard gerechnet werden, deren Auffassungen von P. durchaus mehr oder weniger voneinander abweichen und die sich gelegentlich sogar von dem Begriff P. überhaupt distanziert haben. Auch bezieht sich die philosophische P. dabei auf ganz unterschiedliche Traditionen: auf Nietzsche (wie Foucault, Derrida, Vattimo), auf Heidegger (wie Derrida, Vattimo) auf Saussure und Freud (wie Derrida), auf Kant und Wittgenstein (wie Lyotard). – In den letzten Jahren haben sich die Überlegungen der P. in nahezu allen Wissenschaften und Künsten ihren Platz gefunden, von der Physik bis zur Soziologie, von der Malerei bis zum Film und sogar in der Theologie.

Literatur:

  • – T. Eagleton: Die Illusionen der Postmoderne. Stuttgart/Weimar 1997
  • G. Eifler/Otto Saame (Hg.): Postmoderne. Wien 1990
  • W. Welsch: Unsere postmoderne Moderne. Berlin 1993
  • W. Welsch (Hg.): Wege aus der Moderne. Berlin 1994
  • P. V. Zima: Moderne/Postmoderne. Tübingen/Basel 1997.

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Herausgegeben von Peter Prechtl (†) und Franz-Peter Burkard.

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